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ACM-Mitteilungen vom 16. Oktober 2021

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt zwei erfreuliche Nachrichten, die Hoffnung machen, dass es in der kommenden Legislaturperiode positive Veränderungen beim Thema Cannabis als Medizin geben könnte.

Erstens macht sich die langjährige Arbeit der drogenpolitischen Sprecher der SPD Burkhard Blienert und Dirk Heidenblut nun als Umdenken in der SPD-Spitze bezahlt. Nachdem der einflussreiche SPD-Gesundheitsexperte Professor Karl Lauterbach sich nun für eine Legalisierung von Cannabis ausspricht, darf realistisch gehofft werden, dass sich dies in den Koalitionsverhandlungen und in der Arbeit der vermutlich neuen Bundesregierung aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP niederschlägt. Vor etwa 20 Jahren hatte ich ein persönliches Gespräch mit dem damaligen drogenpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, der mir erklärte, dass er es mit seiner fortschrittlichen Position zu Cannabis als Medizin in der SPD nicht so einfach habe. Da wurde in den vergangenen Jahren offensichtlich eine hartnäckige und gute Überzeugungsarbeit geleistet. Die Entwicklungen in Nord-und Südamerika sowie die Arbeit der ACM und des DHV (Deutscher Hanfverband) waren da sicherlich auch förderlich.

Sicherlich ist die von Lauterbach benannte Verunreinigung mit Heroin nicht das Hauptproblem, aber Verunreinigungen von Straßencannabis mit einer Vielzahl von Stoffen, von synthetischen Cannabinoiden bis hin zu Streckmitteln wie dem Flüssigkunststoff enthaltenden Brix, Bleisulfat und Haarspray, sind in der Tat ein Problem für die Gesundheit der Konsumenten – besonders auch für Patienten, die auf den illegalen Markt ausweichen müssen.

Diese gute Nacht fällt zusammen mit einer zweiten guten Nachricht, nämlich dass voraussichtlich eine Ampel-Koalition zustande kommen wird, deren Positionen sich bisher zum Thema Cannabis zwischen Legalisierung des Eigenanbaus (Bündnis 90/Die Grünen) und Pilotprojekten zur kontrollierten Abgabe von Cannabis (SPD) bewegen, zustande kommt. Der ACM-Vorstand hat sich in den vergangenen Tagen noch einmal mit ihren Positionen bei den drei Parteien in Erinnerung gebracht.

Vormerken: Fortbildungsveranstaltung der ACM im April 2022: Am 2. April 2022 plant die ACM ihre nächste ganztägige Vortragsveranstaltung für Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Sie wird wie schon am 20. März 2021 virtuell stattfinden.

Jubiläum: Kürzlich konnte unser langjähriges Vorstandsmitglied Rainer Thewes, der das Patiententelefon der ACM betreibt, seinen 100. Beratungstag feiern. Die Rückmeldungen von Personen, die die Beratung in Anspruch genommen haben, reichen nach meiner Kenntnis von zufrieden bis begeistert.

Viel Spaß beim Lesen!

Franjo Grotenhermen

Presseschau: Lauterbach für Legalisierung von Cannabis (Süddeutsche Zeitung)


SPD-Gesundheitsexperte Professor Karl Lauterbach hat seine Position zu Cannabis zum Positiven geändert. Da Lauterbach dafür bekannt ist, dass er seine Positionen in Gesundheitsfragen immer sachlich und fast emotionslos mit den wissenschaftlichen Fakten begründet, hat seine Kehrtwende grundsätzliche Bedeutung für die inhaltliche Diskussion um den rechtlichen Status von Cannabis in Deutschland.

Lauterbach für Legalisierung von Cannabis

SPD-Experte Lauterbach will Legalisierung von Cannabis . Der SPD-Gesundheitsexperte verweist auf neue Gefahren beim illegalen Straßenhandel und plädiert für eine kontrollierte Abgabe. Das Gesundheitsministerium hält das für falsch, den Jungen Liberalen reicht das nicht.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat sich dafür ausgesprochen, in einem möglichen Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP eine Legalisierung von Cannabis festzuschreiben. In einem Interview der Rheinischen Post plädierte er dafür, eine kontrollierte Abgabe an Erwachsene zu erlauben, um dem Handel von mit Heroin versetztem Cannabis einen Riegel vorzuschieben.

"Jahrelang habe ich eine Cannabis-Legalisierung abgelehnt. Mittlerweile komme ich als Arzt aber zu einem anderen Schluss", sagte Lauterbach. "Immer häufiger wird dem illegal verkauften Straßencannabis neuartiges Heroin beigemischt, das sich rauchen lässt. Damit werden Cannabis-Konsumenten schnell in eine Heroin-Abhängigkeit getrieben." Dieses Phänomen sei neu und verändere die Lage.

Mit einer Legalisierung von Cannabis ließe sich der Handel mit verunreinigtem Haschisch unterbinden, sagte der SPD-Politiker. "Ich bin deswegen dafür, dass wir in einem möglichen Koalitionsvertrag mit Grünen und FDP einen Passus zur legalen und kontrollierten Abgabe von Cannabis an Erwachsene formulieren."

Das Gesundheitsministerium lehnte den Vorstoß ab. Es habe sich nichts an der Einschätzung geändert, dass Cannabis keine ungefährliche Substanz sei, sagt ein Sprecher des CDU-geführten Ministeriums.

Der FDP-Nachwuchs plädierte für eine noch weitergehende Reform. "Statt den kleinsten gemeinsamen Nenner braucht es nun große Reformen, die weit über die Legalisierung von Cannabis hinausgehen", sagte der Chef der Jungen Liberalen, Jens Teutrine, der Rheinischen Post. "Die Prohibition, Kriminalisierung und Stigmatisierung von Cannabis ist gescheitert." Nur eine vollständige Legalisierung würde notwendige Qualitätsstandards und Jugendschutz sicherstellen.

FDP und Grüne sind für eine Legalisierung von Cannabis und einen "Verkauf in lizenzierten Fachgeschäften". Die SPD hingegen befürwortet eine "regulierte Abgabe" an Erwachsene zunächst in Modellprojekten, die von Präventions- und Beratungsangeboten begleitet werden.

Vertreter von Polizeigewerkschaften warnen vor einer Legalisierung. Sie argumentieren unter anderem, bei Cannabis handele es sich um eine oft verharmloste Droge, die gerade bei Jugendlichen zu erheblichen Gesundheitsproblemen und sozialen Konflikten führen könne.

Einige weitere Pressemeldungen der vergangenen Tage

Ampel oder Jamaika: Welche Koalition gibt Cannabis frei? (WAZ)

Unterschätztes Heilmittel (Schwäbisches Tagblatt)

Cannabis made in Germany - Legale Geschäfte mit der Droge (ZDF)

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