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IACM-Informationen vom 9. Januar 2016

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🌐 Deutschland — Die Regierung stellt einen Gesetzentwurf vor, der CannabisblĂŒten auf Verschreibung durch jeden Arzt verfĂŒgbar machen und die Krankenkassen zwingen wĂŒrde, Medikamente auf Cannabisbasis in bestimmten FĂ€llen zu erstatten

Am 7. Januar legte das Bundesgesundheitsministerium einen detaillierten Gesetzentwurf vor, der eine staatliche Cannabisagentur einsetzten wĂŒrde, die den Anbau und die Verteilung von Cannabis an Apotheken regeln wĂŒrde. Mehr Patienten wĂŒrden danach einen regulierten Zugang zu der Droge auf einem Rezept und unter Voraussetzungen, die in der Vorlage beschrieben werden, eine Kostenerstattung durch die Krankenkasse erhalten. VerbĂ€nde aus dem Gesundheitsbereich, inklusive die deutsche ACM (Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin) wurden eingeladen, die Vorlage bis zum 5. Februar zu kommentieren. Patienten wĂŒrden Medikamente auf Cannabisbasis (CannabisblĂŒten, Extrakte, Dronabinol, Nabilon) erstattet bekommen, wenn bei ihnen andere Behandlungen nicht wirksam sind. Am 1. Oktober 2015 besaßen 527 Patienten, die an mindestens 60 verschiedenen Erkrankungen litten, inklusive chronischer Schmerzen, entzĂŒndlichen Erkrankungen, psychiatrischer Leiden, neurologischer Erkrankungen, Appetitlosigkeit und Übelkeit, auf eigene Kosten einen legalen Zugang zu Cannabis, weil andere Behandlungsverfahren nicht wirksam genug waren.

Bisher ist eine Ausnahmeerlaubnis durch das Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte notwendig, um einen Zugang zu Cannabis zu bekommen. In der Zukunft wird jeder Arzt CannabisblĂŒten verschreiben dĂŒrfen, das in jeder Apotheke erhĂ€ltlich sein wird. Die maximale Menge, die verschrieben werden darf, sind 100 g pro Monat, aber diese Menge darf in begrĂŒndeten FĂ€llen ĂŒberschritten werden. Nach der Vorlage wird die Cannabisagentur beim Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte eingerichtet. Die Agentur wird nicht nur die Produktion und Verteilung von Cannabisprodukte ĂŒberwachen, sondern auch den maximalen Preis fĂŒr Cannabis in den Apotheken festlegen. Patienten, die eine Kostenerstattung wĂŒnschen, mĂŒssen an Begleitforschung teilnehmen, die bis Ende Dezember 2018 laufen soll und eine Basis fĂŒr weitere Entscheidungen zur Kostenerstattung durch Krankenkassen ab August 2019 liefern soll.

AnkĂŒndigung des Bundesgesundheitsministeriums vom 7. Januar 2016

đŸ·ïž Wissenschaft/Mensch — Cannabidiol reduziert nach einer offenen klinischen Studie die AnfallshĂ€ufigkeit bei der Epilepsie von Kindern und jungen Erwachsenen

Cannabidiol (CBD) könnte die AnfallshĂ€ufigkeit bei Kindern und jungen Erwachsenen mit stark therapieresistenter Epilepsie bei einem akzeptablen Sicherheitsprofil reduzieren. Dies ist das Ergebnis einer offenen Studie mit 214 Patienten, die zwischen dem 15. Januar 2014 und dem 15. Januar 2015 in mehreren Zentren der USA (New York, Philadelphia, Boston, Chicago, San Francisco, Miami, Houston, Atlanta, Salt Lake City, Winston Salem, Columbus) durchgefĂŒhrt wurde. Patienten erhielten orales CBD in einer Dosis von 2-5 mg/kg Körpergewicht tĂ€glich, das bis zur UnvertrĂ€glichkeit oder einer maximalen Dosis von 25 mg/kg oder 50 mg/kg tĂ€glich (abhĂ€ngig vom Studienzentrum) gesteigert wurde. 162 (76 %) Patienten, die mindestens 12 Wochen lang nach Einnahme der ersten Dosis Cannabidiol einnahmen, wurden in die Sicherheits- und VertrĂ€glichkeitsanalyse aufgenommen, und 137 (64 %) Patienten wurden in die Wirksamkeitsanalyse aufgenommen.

In der Sicherheitsgruppe wiesen 20 % der Patienten ein Dravet-Syndrom und 19 % ein Lennox-Gastaut-Syndrom auf. Die ĂŒbrigen Patienten litten an therapieresistenten Epilepsieformen unterschiedlicher Ursachen und Formen. Nebenwirkungen wurden bei 79 % der 162 Patienten in der Sicherheitsgruppe angegeben. Nebenwirkungen, die öfter als bei 10 % der Patienten auftraten, waren SchlĂ€frigkeit (25 %), reduzierter Appetit (19 %), Durchfall (19 %), MĂŒdigkeit (13 %) und AnfĂ€lle (11 %). FĂŒnf (3 %) beendeten die Behandlung wegen einer Nebenwirkung. Schwere Nebenwirkungen wurden bei 30 % der Patienten berichtet, inklusive ein Todesfall – ein plötzlicher, unerwarteter Tod bei Epilepsie, der nicht als im Zusammenhang mit der CBD-Behandlung stehend betrachtet wurde. 12 % der Patienten hatten schwere Nebenwirkungen, die möglicherweise mit der Cannabidiol-Verwendung zusammenhingen, die hĂ€ufigste war ein Status epilepticus (6 %). Die mediane monatliche AnfallshĂ€ufigkeit war 30,0 zu Beginn der Studie und 15,8 wĂ€hrend der 12-wöchigen Behandlungsphase. Die mediane Reduzierung der monatlichen motorischen AnfĂ€lle betrug 36,5 %.

Devinsky O, Marsh E, Friedman D, Thiele E, Laux L, Sullivan J, Miller I, Flamini R, Wilfong A, Filloux F, Wong M, Tilton N, Bruno P, Bluvstein J, Hedlund J, Kamens R, Maclean J, Nangia S, Singhal NS, Wilson CA, Patel A, Cilio MR. Cannabidiol in patients with treatment-resistant epilepsy: an open-label interventional trial. Lancet Neurol, 23. Dezember 2015 [im Druck]

đŸ·ïž Wissenschaft/Mensch — Vorbehandlung mit CBD beeinflusste nicht die Wirkungen von gerauchtem Cannabis

CBD (Cannabidiol), das 90 Minuten vor dem Rauchen einer Cannabiszigarette an gesunde Probanden verabreicht wurde, beeinflusste nicht die psychologischen Wirkungen und die Herzfrequenz. Wissenschaftler des Staatlichen Psychiatrischen Instituts von New York und der Klinik fĂŒr Psychiatrie der medizinischen FakultĂ€t der Columbia University sowie von anderen Institutionen publizierten ihre Ergebnisse in der Zeitschrift Neuropsychopharmacology. Sie fĂŒhrten eine doppelblinde Überkreuzstudie durch, bei denen 31 Cannabisraucher zu 8 verschiedenen Zeitpunkten entweder 0, 200, 400 oder 800 mg orales CBD und entweder Cannabis mit einer THC-Konzentration von 0,01 % (inaktiv) oder etwa 5,5 % (5,3-5,8 %) erhielten.

CBD, das allein keine signifikanten psychoaktiven oder Herz-Kreislauf Wirkungen verursachte, verĂ€nderte nicht signifikant die Beurteilung des High-GefĂŒhls oder die Herzfrequenz. Die Cannabiseinnahme, die subjektiven Wirkungen und die Beurteilung des Cannabis unterschieden sich nicht in AbhĂ€ngigkeit von der CBD-Dosis im Vergleich zu Placebo-Kapseln. Die Autoren folgerten, dass ihre „Befunde nahelegen, dass orales CBD nicht die verstĂ€rkenden, physiologischen oder positiven subjektiven Wirkungen von gerauchtem Cannabis reduziert“.

Haney M, Malcolm RJ, Babalonis S, Nuzzo PA, Cooper ZD, Bedi G, Gray KM, McRae-Clark A, Lofwall MR, Sparenborg S, Walsh SL. Oral Cannabidiol does not Alter the Subjective, Reinforcing or Cardiovascular Effects of Smoked Cannabis. Neuropsychopharmacology, 28. Dezember 2015 [im Druck]

Kurzmeldungen

🌐 USA — Der Gouverneur von Vermont will Cannabis legalisieren

Am 7. Januar erklÀrte der Gouverneur von Vermont, Peter Shumlin, dass er Cannabis erstmals in den Vereinigten Staaten durch einen Gesetzgebungsprozess anstatt durch eine WÀhlerinitiative legalisieren möchte.

Reuters vom 7. Januar 2016

đŸ·ïž Wissenschaft/Mensch — Keine Wirkung eines moderaten Cannabiskonsums durch Jugendliche auf die Ausbildungsleistung

In einer Langzeitstudie mit 2235 Heranwachsenden gab es keinen Zusammenhang zwischen dem Cannabiskonsum im Alter von 15 Jahren und der Ausbildungsleistung im Alter von 16 Jahren. Die Autoren folgerten, dass „ein moderater Cannabiskonsum bei Teenagern einen geringeren kognitiven Einfluss haben könnte als epidemiologische Umfragen in Ă€lteren Kohorten vorher nahegelegt haben“.

Clinical Psychopharmacology Unit, University College London, Großbritannien.

Mokrysz C, et al. J Psychopharmacol, 6. Januar 2016 [Im Druck]

đŸ·ïž Wissenschaft/Tier — CB2-Rezeptoragonisten könnten die Entwicklung einer Toleranz gegenĂŒber Morphin bei Krebsschmerzen reduzieren

Bei Ratten mit neuropathischen Schmerzen aufgrund einer Krebserkrankung verminderte die Injektion eines synthetischen Cannabinoids (AM 1241), das an den CB2-Rezeptor bindet, in den Spinalkanal die Toleranz gegenĂŒber Morphium.

Krebskrankenhaus der Medizinischen UniversitÀt Harbin, China.

Zhang M, et al. Anesth Analg, 30. Dezember 2015 [im Druck]

đŸ·ïž Wissenschaft/Tier — CBD ĂŒbt antidepressive Wirkungen bei MĂ€usen aus

In einem Mausmodell fĂŒr Depressionen ĂŒbte CBD antidepressive Wirkungen aus. Es erhöhte die Spiegel fĂŒr die beiden Neurotransmitter Serotonin und Glutamat in einer bestimmten Hirnregion (ventromedialer prĂ€frontaler Kortex).

UniversitÀt von Kantabrien, Santander, Spanien.

Linge R, et al. Neuropharmacology 2015;103:16-26.

đŸ·ïž Wissenschaft/Zellen — Anandamid zeigte krebshemmende Wirkungen bei menschlichen Gliom-Zellen

Das Endocannabinoid Anandamid vergrĂ¶ĂŸerte bei menschlichen Gliom-Zellen die HĂ€ufigkeit des programmierten Zelltodes und andere Antikrebswirkungen. Die Autoren folgerten, dass Anandamid „ein therapeutisches Potenzial bei der Behandlung des menschlichen Glioms zeigt“. Dabei handelt es sich um einen aggressiven Hirntumor.

Klinik fĂŒr Neurochirurgie, Zhongnan-Krankenhaus der Wuhan-UniversitĂ€t, China.

Ma C, et al. Mol Med Rep, 28. Dezember 2015

[im Druck]

đŸ·ïž Wissenschaft/Tier — Cannabinoide reduzieren EntzĂŒndungsschmerz bei SichelzellenanĂ€mie

Forscher zeigten, dass Cannabinoide die Aktivierung von Mastzellen, die EntzĂŒndung und die neurogene EntzĂŒndung bei MĂ€usen mit SichelzellenanĂ€mie verbessern und zwar ĂŒber beide Cannabinoid-Rezeptoren 1 und 2. Daraus folgt, dass Cannabinoide systemische und neurale Mechanismen beeinflussen, die die Pathobiologie der Krankheit und den Schmerz bei MĂ€usen mit SichelzellenanĂ€mie verbessern.

UniversitÀt von Minnesota, USA.

Vincent L, et al. Haematologica, 24. Dezember 2015 [im Druck]