Veröffentlicht
Zuletzt aktualisiert
Lesezeit

IACM-Informationen vom 8. September 2012

Authors

Wissenschaft/Mensch — Nabilon wirksam bei der Behandlung neuropathischer Schmerzen bei Diabetes

Nabilon reduziert Schmerzen bei Patienten mit Diabetes, die an peripheren neuropathischen Schmerzen, die nicht auf andere Medikamente ansprechen, leiden. Dies ist das Ergebnis einer doppelblinden, Placebo kontrollierten Studie, die an die Abteilung fĂŒr Klinische Neurowissenschaften der UniversitĂ€t von Calgary (Kanada) durchgefĂŒhrt wurde. 37 Patienten erhielten 4 Wochen lang das synthetische Cannabinoid Nabilon zusĂ€tzlich zu ihrer laufenden Medikation. Von diesen erzielten 26 eine zusĂ€tzliche Schmerzlinderung von mehr als 30 Prozent und 11 sprachen auf die Behandlung nicht an. Patienten, die auf die Therapie ansprachen, wurden in eine weitere 5-wöchige doppelblinde Behandlungsphase aufgenommen. 13 erhielten Nabilon in einer flexiblen Dosis (1-4 mg pro Tag) und 13 bekamen ein Placebo.

Bei den auf Nabilon ansprechenden Patienten wurde eine Verbesserung der neuropathischen Schmerzen festgestellt (eine mittlere Reduzierung um 1,27 auf einer visuellen Analogskala). Die durchschnittliche Nabilondosis betrug am Ende der Behandlung 2,9 mg pro Tag. Es gab im Vergleich zum Placebo auch signifikante Verbesserungen bei der Angst, dem Schlaf und der LebensqualitÀt, die mit standardisierten Fragebögen gemessen wurden. Die Forscher folgerten, dass "flexibel dosiertes Nabilon in einer Dosis von 1-4 mg pro Tag wirksam bei der Linderung von DPN-Symptomen war und den gestörten Schlaf, die LebensqualitÀt und den allgemeinen Zustand des Patienten verbesserte. Nabilon wurde gut vertragen und war wirksam als Zusatzmedikation bei Patienten mit DPN."

Toth C, Mawani S, Brady S, Chan C, Liu C, Mehina E, Garven A, Bestard J, Korngut L. An enriched-enrolment, randomized withdrawal, flexible-dose, double-blind, placebo-controlled, parallel assignment efficacy study of nabilone as adjuvant in the treatment of diabetic peripheral neuropathic pain. Pain, 22. August 2012 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch — Cannabiskonsum durch Erwachsene verursacht keine BeeintrĂ€chtigung der Intelligenz

Selbst starker Cannabiskonsum verursacht bei Erwachsenen keine Abnahme der geistigen LeistungsfĂ€higkeit. Allerdings kann starker Konsum der Droge wĂ€hrend der Jugendzeit zu einer reduzierten Intelligenz im spĂ€teren Leben fĂŒhren. Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer langzeitigen Studie, die von einem internationalen Forschungsteam in Neuseeland durchgefĂŒhrt worden war. Die Teilnehmer waren Mitglieder der Dunedin-Studie, eine Studie von 1037 Personen, die von der Geburt in den Jahren 1972/73 bis zu einem Alter von 38 Jahren begleitet wurden. Cannabiskonsum wurde bei Befragungen im Alter von 18, 21, 26, 32 und 38 Jahren ermittelt. Neuropsychologische Tests wurden im Alter von 13 Jahren, vor Beginn des Cannabiskonsums, und erneut im Alter von 38 Jahren durchgefĂŒhrt.

Die Forscher fanden heraus, dass Personen, die kontinuierlich Cannabis konsumiert hatten – also mindestens viermal in der Woche jedes Jahr in ihrer Jugendzeit, ihren zwanziger Jahren und in einigen FĂ€llen ihren dreißiger Jahren geraucht hatten – an einer Abnahme ihres Intelligenzquotienten litten. Je mehr die Person geraucht hatten, umso grĂ¶ĂŸer war die Abnahme des Intelligenzquotienten. Dieser Effekt wurde nur bei Personen festgestellt, die ihren Konsum in der Jugendzeit begonnen hatten. "Es ist eine so spezielle Studie, dass ich ziemlich sicher bin, dass Cannabis fĂŒr Gehirne ĂŒber 18 Jahre sicher, jedoch risikoreich fĂŒr Gehirne unter 18 Jahre ist", erklĂ€rte Professor Terrie Moffitt von der Klinik fĂŒr Psychiatrie des King's College in London, ein Mitglied des Forschungsteams, gegenĂŒber BBC News. „Das Ergebnis ist eine gute Nachricht fĂŒr alle Patienten, die Medikamente auf Cannabisbasis verwenden“, erklĂ€rte Franjo Grotenhermen, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin, in einer Pressemitteilung der ACM. „Eine mĂ€ĂŸig starke Cannabisverwendung wie beim medizinischen Einsatz sowie die Verwendung der Droge durch Erwachsene geht nicht mit messbaren BeeintrĂ€chtigungen einher“.

Meier MH, Caspi A, Ambler A, Harrington H, Houts R, Keefe RS, McDonald K, Ward A, Poulton R, Moffitt TE. Persistent cannabis users show neuropsychological decline from childhood to midlife. Proc Natl Acad Sci U S A, 27. August 2012 [im Druck]

BBC News vom 28. August 2012

Reuters vom 27. August 2012

Pressemitteilung der ACM vom 30. August 2012

USA — Ein Versuch, die Cannabisverteilungsstellen in Los Angeles zu schließen, wurde durch die BĂŒrger der Stadt gestoppt

Nach einem Bericht des Wall Street Journal wird ein Verbot von Cannabis-Verteilungsstellen in Los Angeles nicht umgesetzt, nachdem UnterstĂŒtzer der medizinischen Verwendung von Cannabis erfolgreich eine Petition eingereicht hatten, um den Beschluss zu blockieren. Nach Jahren fehlgeschlagener Versuche, die Zahl der Cannabis-LĂ€den zu kontrollieren, hat der Stadtrat von Los Angeles Ende Juli eine VerfĂŒgung erlassen, die diese Verteilungsstellen fĂŒr illegal erklĂ€rt hat.

Jetzt reichten UnterstĂŒtzer fĂŒr medizinischen Cannabis 50.000 Unterschriften ein, um das Verbot zu blockieren. Das ist nahezu die doppelte Anzahl von Stimmen, die nach Auskunft der Stadt Los Angeles dafĂŒr notwendig ist. Wenn die Stadt die Unterschriften verifiziert hat, muss der Stadtrat darĂŒber entscheiden, ob er die VerfĂŒgung zurĂŒcknimmt oder den WĂ€hlern das Thema im nĂ€chsten Jahr zur Abstimmung vorlegt. Viele kalifornische StĂ€dte verbieten zwar den Verkauf von Cannabis an Patienten, aber etwa 50 StĂ€dte erlauben den Verkauf, regulieren aber Aspekte wie die Zahl der Verteilungsstellen, ihre Lage und die Öffnungszeiten.

Wall Street Journal vom 5. September 2012

Kurzmeldungen

Wissenschaft/Mensch — Hohe RĂŒckfallrate bei CannabisabhĂ€ngigkeit bei gleichzeitigem Tabakkonsum

In einer Studie mit 51 Cannabiskonsumenten (im Durchschnitt 10 Cannabiszigaretten pro Tag), die den Konsum einstellen wollten, wiesen Teilnehmer, die auch Tabak konsumierten, eine höhere Wahrscheinlichkeit fĂŒr einen RĂŒckfall auf. Die Forscher folgerten, dass „aktuelles Zigarettenrauchen ein klinisch wichtiger Marker fĂŒr ein erhöhtes Risiko fĂŒr eines Marihuana-RĂŒckfalls ist“.

Staatliche Klinik fĂŒr Psychiatrie und Abteilung fĂŒr Psychiatrie von New York, Columbia-UniversitĂ€t, New York, USA.

Haney M, et al. Biol Psychiatry, 29. August 2012 [im Druck]

Wissenschaft/Tier — Hemmung des Endocannabinoid-Abbaus reduziert Schmerzen

Die Injektion einer Substanz, die die AktivitĂ€t des Enzyms MAGL, das verantwortlich fĂŒr den Abbau des Endocannabinoids 2-AG (2-Arachidonoylglycerol) ist, in das RĂŒckenmark reduziert die Schmerzweiterleitung bei Ratten.

Institut fĂŒr Biomedizinische Wissenschaften, Medizinische FakultĂ€t der UniversitĂ€t Nottingham, Großbritannien.

Woodhams SG, et al. Br J Pharmacol, 26. August 2012 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch — Orales THC reduziert die Entzugssymptome von Cannabiskonsumenten

In einer Studie mit 13 tĂ€glichen Cannabiskonsumenten schwĂ€chten hohe Dosen orales THC (60 und 120 mg pro Tag) den Cannabis-Entzug ab. Die Forscher schlagen orales THC (Dronabinol) fĂŒr die Behandlung der AbhĂ€ngigkeit von inhaliertem THC (Dronabinol) vor.

Medizinische FakultÀt der Johns-Hopkins-UniversitÀt, Baltimore, USA.

Vandrey R, et al. Drug Alcohol Depend, 22. August 2012 [im Druck]

Wissenschaft/Tier — Oxytocin reduziert Schmerzen unter Beteiligung des CB1-Rezeptors

Die körpereigene Substanz Oxytocin, die in das Gehirn verabreicht wurde, reduzierte Schmerzen bei MÀusen, und diese Wirkung war, zumindest zum Teil durch den CB1-Rezeptor vermittelt, da diese Wirkung durch einen CB1-Rezeptor-Antagonisten blockiert wurde. Die Wissenschaftler wiesen zudem die Beteiligung des Opioid-Systems nach.

Institut fĂŒr experimentelle Pharmakologie, UniversitĂ€t „Federico II“ von Neapel, Italien.

Russo R, et al. Peptides, 10. August 2012 [im Druck]

Wissenschaft/Tier — Hohe Anandamid-Spiegel verursachen eine Fettspeicherung durch eine reduzierte SchilddrĂŒsenfunktion

MĂ€use ohne FAAH (FettsĂ€ureamidhydrolase), die fĂŒr den Abbau von Anandamid verantwortlich ist, entwickeln eine Hypothyreose (reduzierte Funktion der SchilddrĂŒse). Diese reduzierte Funktion verursacht eine vermehrte Fettspeicherung und Insulinresistenz, also eine reduzierte Ansprechbarkeit von Zellen auf Insulin.

Medizinische FakultÀt der Yale-UniversitÀt, New Haven, USA.

Brown WH, et al. Proc Natl Acad Sci U S A, 21. August 2012 [im Druck]

Frei verfĂŒgbarer vollstĂ€ndiger Text