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IACM-Informationen vom 8. November 2008

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USA — Michigan wird der dreizehnte Staat, der die medizinische Verwendung von Cannabis legalisiert

Die WĂ€hler in Michigan nahmen am 4. November mit großer Mehrheit eine Gesetzesvorlage zur medizinischen Verwendung von Cannabis an, und machten ihn zum 13. Staat, der schwerkranken Patienten die Verwendung der Droge fĂŒr medizinische Zwecke erlaubt. Die Gesetzesvorlage wurde von 63 Prozent der WĂ€hler unterstĂŒtzt. Es hebt fĂŒr registrierte Patienten staatliche Strafen beim Kauf, dem Anbau und der Verwendung kleiner Cannabismengen auf. Von den 12 anderen Staaten mit medizinischen Cannabisgesetzen stammen acht aus Volksabstimmungen wie in Michigan, und vier wurden durch den staatlichen Gesetzgeber in Kraft gesetzt. Alaska, Arizona, Colorado, Hawaii, Kalifornien, Maine, Neumexiko, Nevada, Oregon, Rhode Island, Vermont und Washington haben die medizinische Verwendung von Cannabis legalisiert.

Die Gesetzesvorlage wird registrierte Patienten, die Cannabis verwenden, vor staatlicher Strafverfolgung schĂŒtzen, es werden jedoch keine legalen Abgabestellen fĂŒr die Droge eingerichtet. Sie wird auch nicht das bundesbehördliche Verbot von Cannabis beeinflussen, das den Besitz von Cannabis fĂŒr jeden Zweck illegal macht. Allerdings hat Barak Obama, der neue PrĂ€sident, mehrfach wĂ€hrend seiner Kampagne fĂŒr die PrĂ€sidentschaft angekĂŒndigt, dass er die bundesbehördlichen Razzien gegen Lieferanten von medizinischem Cannabis in Staaten mit eigenen Gesetzen beenden werde.

Mehr unter:

http://www.mlive.com/kzgazette/news/index.ssf/2008/11/voters_approve_medical_marijua.html

http://www.sfgate.com/cgi-bin/article.cgi?f=/c/a/2008/05/12/MNKK10FD53.DTL

Ergebnisse aller zehn Volksabstimmungen zur Verwendung von Cannabis am 4. November unter:

http://www.norml.org/index.cfm?Group_ID=7742

(Quellen: Associated Press vom 5. November 2008, San Francisco Chronicle vom 12. Mai 2008)

Wissenschaft Europa — Empfehlung zur Aufhebung der Vermarktungserlaubnis fĂŒr Rimonabant und Einstellung der klinischen Forschung zu Cannabinoidrezeptor-Antagonisten

Die EuropĂ€ische Arzneimittelagentur (EMEA) hat eine Vermarktungsaufhebung fĂŒr Acomplia (Rimonabant), ein Cannabinoidrezeptorantagonist, der durch Sanofi-Aventis entwickelt und vermarktet wurde, empfohlen. Die Arzneimittelagentur ist zu dem Schluss gelangt, dass der Nutzen von Rimonabant nicht lĂ€nger die Risiken ĂŒberwiegt und dass die Vermarktungserlaubnis in der EuropĂ€ischen Union aufgehoben werden sollte. Acomplia ist in der EuropĂ€ischen Union seit Juni 2006 zur Behandlung ĂŒbergewichtiger Patienten zugelassen. Die EMEA stellte fest, dass es nach neuer Forschung im Vergleich zu Patienten, die ein Plazebo einnehmen, ein etwa verdoppeltes Risiko fĂŒr psychiatrische Störungen bei ĂŒbergewichtigen Patienten, die Acomplia einnehmen, gibt. Zudem stellte die Arzneimittelagentur fest, dass die Wirksamkeit von Acomplia in der klinischen Praxis begrenzter ist, als dies auf der Basis der klinischen Studien zu erwarten gewesen wĂ€re.

Das Unternehmen Sanofi-Aventis erklĂ€rte am 5. November, dass es jede Forschung zu Rimonabant anhalten werde, und das Unternehmen Pfizer erklĂ€rte wenige Stunden spĂ€ter, dass es seine Forschung zu einer Ă€hnlichen Substanz beenden werde. Beide Substanzen wirken ĂŒber die Blockierung der Cannabinoid-1-Rezeptoren, die durch Endocannabinoide und THC aktiviert werden. Wenn sie aktiviert werden, lösen sie eine Zunahme des Appetits aus. Wenn sie blockiert werden, reduzieren sie ihn. Vor wenigen Jahren betrachteten viele Wissenschaftler Rimonabant als ein bemerkenswertes Medikament, das vielversprechend hinsichtlich der Hilfe bei der Gewichtsabnahme, der Kontrolle des Blutzuckers und anderer Aspekte des Diabetes, der Senkung des Cholesterinspiegels, bei der Einstellung des Rauchens und der Beendigung des Missbrauchs von Alkohol, Cannabis und Kokain sei. Es gab allerdings auch Warnungen, dass die Blockierung des CB1-Rezeptors das Risiko fĂŒr Depressionen und Selbstmord erhöhen könnte. Sanofi-Aventis erklĂ€rte in einer kurzen Stellungnahme, dass es seine laufenden klinischen Studien mit Rimonabant fĂŒr alle Verwendungen stoppen werde "im Lichte jĂŒngster Forderungen durch bestimmte nationale Gesundheitsbehörden".

Mehr unter:

http://www.emea.europa.eu/humandocs/PDFs/EPAR/acomplia/53777708en.pdf

http://hosted.ap.org/dynamic/stories/F/FAILED_DIET_DRUGS?SITE=FLTAM&SECTION=HOME&TEMPLATE=news_generic.htm

(Quellen: Pressemitteilung der EuropÀischen Arzneimittelagentur vom 23 Oktober 2008, Associated Press vom 5. November 2008)

Wissenschaft — Ein Cannabisextrakt hatte keine psychopathologischen oder kognitiven Wirkungen bei MS-Patienten in einer klinischen Studie

Nach einer Plazebo-kontrollierten klinischen Studie, die an der UniversitĂ€t Rom (Italien) durchgefĂŒhrt worden war, verursachte der Cannabisextrakt Sativex keine psychopathologischen ZustĂ€nde oder kognitiven Defizite bei Patienten mit multipler Sklerose. In dieser 8-wöchigen kreuzkontrollierten Studie erhielten 17 Patienten jeweils drei Wochen lang Sativex und ein Plazebo.

Die Werte der untersuchten Variablen fĂŒr Psychopathologie und geistige LeistungsfĂ€higkeit zeigten nach Cannabis und Plazebo keine signifikanten Unterschiede. Es wurde eine signifikante positive Korrelation zwischen THC-Blutkonzentrationen und Werten fĂŒr aggressives Verhalten und paranoide Tendenzen gefunden. Die Forscher schlossen, dass "eine Cannabinoidbehandlung bei MS-Patienten ohne Cannabisvorerfahrung keine Psychopathologie induzierte und nicht die kognitive LeistungsfĂ€higkeit beeintrĂ€chtigte. Allerdings legt die positive Korrelation zwischen Blutspiegeln von Delta-9-Tetrahydrocannabinol und psychopathologischen Werten nahe, dass in Dosen, die höher sind als unter therapeutischen Bedingungen, eine interpersonale SensibilitĂ€t, AggressivitĂ€t und paranoide ZĂŒge auftreten könnten".

(Quelle: Aragona M, Onesti E, Tomassini V, Conte A, Gupta S, Gilio F, Pantano P, Pozzilli C, Inghilleri M. Psychopathological and cognitive effects of therapeutic cannabinoids in multiple sclerosis: a double-blind, placebo controlled, crossover study. Clin Neuropharmacol, 23. Oktober 2008 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Kurzmeldungen

USA — Massachusetts

Am 4. November nahmen 65 Prozent der WĂ€hler eine Gesetzesvorlage an, der beim Besitz von bis zu einer Unze Cannabis (28,5 Gramm) strafrechtliche Strafen durch eine zivilrechtliche Geldstrafe von nicht mehr als 100 Dollar (etwa 78 EUR) ersetzt. Massachusetts ist der dreizehnte Staat, der den Eigenbedarf von Cannabis entkriminalisiert. (Quelle: NORML vom 5. November 2008)

Wissenschaft — Schmerzen

Es wurde in tierexperimentellen Studien gezeigt, dass Schmerzen bei Knochenkrebs zu einer Abnahme der Anandamid-Spiegel in der Haut fĂŒhren. Diese Abnahme war mit einem verstĂ€rkten Abbau von Anandamid durch die FettsĂ€ureamidhydrolase (FAAH) assoziiert. Örtliche Injektionen von Anandamid reduzierten die Schmerzen. Die Forscher folgerten, dass die "Manipulation der peripheren Endocannabinoid-Signalgebung eine vielversprechende Strategie fĂŒr die BewĂ€ltigung von Schmerzen bei Knochenkrebs darstellt". (Quelle: Khasabova IA, et al. J Neurosci 2008;28(44):11141-52.)

Wissenschaft — Schizophrenie

Menschen, die eine langandauernde psychotische Episode nach Cannabiskonsum erleben, könnten nach Angaben von Forschern der UniversitĂ€t Aarhus (DĂ€nemark) frĂŒhe Zeichen einer Schizophrenie erleben. Zwischen 1994 und 2005 erhielten 609 Personen eine Behandlung wegen einer Cannabis-induzierten Psychose, und 6476 erhielten eine Behandlung wegen einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis. Die PrĂ€disposition fĂŒr beide psychiatrischen Störungen trug gleichermaßen zum Risiko fĂŒr eine spĂ€tere Behandlung wegen einer Schizophrenie und einer Cannabis-induzierten Psychose bei. Die Forscher folgerten aus den Ergebnissen ihrer Studie, dass eine "Cannabis-induzierte Psychose ein frĂŒhes Zeichen einer Schizophrenie und nicht eine separate klinische EntitĂ€t darstellt". (Quelle: Arendt M, et al. Arch Gen Psychiatry 2008;65(11):1269-74.)

Wissenschaft — Gewichtsreduzierung

Nach italienischen Forschern fĂŒhrte die Gewichtsreduzierung bei 49 MĂ€nnern zu VerĂ€nderungen der Blutspiegel von Endocannabinoiden. Nach einem Jahr VerĂ€nderung der Lebensweise und einer durchschnittlichen Gewichtsabnahme von 6,4 kg waren die Plasmaspiegel von 2-Arachidonoylglycerol um 62 Prozent und von Anandamid um 7 Prozent gefallen. (Quelle: Di Marzo V, et al. Diabetologia, 30. Oktober 2008 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])