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IACM-Informationen vom 4. Juli 2009

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🌐 Israel — Deutliche Zunahme der Zahl von Patienten, die Cannabis fĂŒr medizinische Zwecke verwenden dĂŒrfen

Etwa 700 Patienten dĂŒrfen gegenwĂ€rtig Cannabis fĂŒr medizinische Zwecke verwenden, und es wird erwartet, dass diese Anzahl am Ende dieses Jahres 1000 ĂŒberschreitet. Die ersten Patienten erhielten Cannabis 1999, nachdem das Gesundheitsministerium die Verwendung der Droge fĂŒr schwerkranke Patienten legalisiert hatte. "Ich stelle jeden Monat 40 neue Verschreibungen aus, mit einer durchschnittlichen Verschreibung von 100 Gramm pro Patient und Monat", erklĂ€rt Dr. Yehuda Baruch, Chefarzt des psychiatrischen Krankenhauses Abarbanel in Bat Yam. Baruch ist der einzige Arzt, der vom Gesundheitsministerium ernannt wurde, um Erlaubnisse fĂŒr die Verwendung von Cannabis auszustellen. Der Ausschuss des Gesundheitsministeriums, der 1999 die medizinische Verwendung von Cannabis erlaubt hatte, ging davon aus, dass die Droge nur Patienten mit extremen Symptomen verabreicht wird.

Bis 2005 erhielten nur zehn Patienten ein Rezept fĂŒr medizinischen Cannabis. Das Ministerium erlaubte ihnen, bis zu zehn Cannabispflanzen anzubauen und bis zu 200 Gramm Cannabis zu besitzen. Zudem können Patienten Cannabis umsonst von einem Anbauer erhalten, der anonym bleibt und die Erlaubnis besitzt, Cannabis an Patienten abzugeben. Es gibt mehrere Freiwillige, die die Droge zu Patienten ĂŒberall im Land transportieren dĂŒrfen. Heute wird Cannabis von Baruch fĂŒr eine Vielzahl von Erkrankungen verschrieben, darunter multiple Sklerose, chronische Schmerzen, Tourette-Syndrom und Krebs. Der Cannabisproduzent erhĂ€lt vom Staat keine Bezahlung fĂŒr die Produktion von Cannabis, und die Patienten bezahlen auch nichts. Allerdings sagen Experten, dass es jedem klar sei, dass dies angesichts der wachsenden Nachfrage und der Produktionskosten nicht so bleiben kann. Es ist gegenwĂ€rtig unklar, wer den Cannabis dann bezahlen muss. Baruch vermutet, dass Patienten in der Zukunft etwa 5 oder 10 Schekel (etwa 0,90 bis 1,80 EUR) pro Gramm bezahlen werden mĂŒssen.

Mehr unter:

http://www.haaretz.com/hasen/spages/1094284.html

(Quelle: Haaretz vom 27. Juni 2009)

đŸ·ïž Wissenschaft — Die Entwicklung der Anzahl neu aufgetretener Schizophrenie-FĂ€lle in Großbritannien unterstĂŒtzt nicht die Hypothese, dass Cannabiskonsum das Schizophrenierisiko erhöht

Nach Forschung von Wissenschaftlern der Keele-UniversitĂ€t in Staffordshire (Großbritannien) unterstĂŒtzt die Inzidenz (die Anzahl neu diagnostizierter FĂ€lle) von Schizophrenien in den Jahren 1996 bis 2005 nicht die Hypothese, dass Cannabiskonsum das Risiko fĂŒr die Entwicklung einer Schizophrenie oder Psychose erhöht. FĂŒr diese Studie wurde eine Analyse von Daten von 183 Arztpraxen in England, Wales, Schottland und Nordirland durchgefĂŒhrt. Die Studie umfasste etwa 600.000 Patienten pro Jahr, was etwa 2,3 Prozent der britischen Bevölkerung im Alter zwischen 16 und 44 Jahren entspricht. Zwischen 1996 und 2005 war die Inzidenz von Schizophrenien und Psychosen entweder stabil oder nahm ab.

Eine kĂŒrzlich veröffentlichte Studie fand heraus, dass die Verwendung von Cannabis zwischen 1972 und 2002 um das Vierfache und bei Jugendlichen unter 18 Jahren um das 18-fache zunahm. Wenn das Schizophrenierisiko bei Gelegenheitskonsumenten von Cannabis um das 1,8-fache und bei starken Konsumenten um das 3,1-fache erhöht ist, wie es eine andere Studie nahe legt, und wenn man annimmt, dass das Risiko 20 Jahre lang erhöht bleibt, so wĂ€re zwischen 1996 und 2005 eine Zunahme der Schizophrenieinzidenz von 29 Prozent erwartet worden. Die Forscher folgerten, dass "die ursĂ€chlichen Modelle, die Cannabis mit Schizophrenie/Psychosen verbinden, durch diese Studie nicht unterstĂŒtzt werden" und dass "die zu Grunde liegenden Ursachen von Schizophrenien/Psychosen wĂ€hrend des Studienzeitraums stabil blieben/abnahmen".

(Quelle: Frisher M, Crome I, Martino O, Croft P. Assessing the impact of cannabis use on trends in diagnosed schizophrenia in the United Kingdom from 1996 to 2005. Schizophr Res, 26. Juni 2009 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

🌐 USA — Gesetzesvorlage zur medizinischen Verwendung von Cannabis ins ReprĂ€sentantenhaus eingebracht

Barney Frank, ein Mitglied des ReprĂ€sentantenhauses, hat zwei Gesetzesvorlagen zu Cannabis ins ReprĂ€sentantenhaus eingebracht. Die erste wĂŒrde das Bundesgesetz so Ă€ndern, dass es den Staaten erlaubt wĂ€re, ohne Einmischung durch die Bundesregierung mit medizinischem Cannabis zu experimentieren. Und die zweite wĂŒrde die Strafen fĂŒr "persönlichen Besitz" drastisch reduzieren.

Die Gesetzesvorlage zu medizinischem Cannabis zielt darauf ab, ein Problem bei der Klassifizierung von Cannabis zu beheben. Bundesgesetze dominieren immer staatliche Gesetze, und die Bundesgesetze sagen, dass Cannabis illegal ist, auch bei medizinischer Verwendung. Die Bundesgesetze stellen zudem fest, dass Cannabis keinen medizinischen Wert hat, und daher riskieren selbst Ärzte, die ihn verschreiben, deswegen rechtliche Probleme mit der Bundesregierung. Die erste von Franks Gesetzesvorlagen trĂ€gt den Titel "Das Marihuanapatienten-Schutzgesetz" und "wĂŒrde Bundesbehörden daran hindern, Apotheken, Anbauer und Verwender von medizinischem Marihuana im Staaten, in denen die Verwendung der Substanz aus medizinischen GrĂŒnden legal ist, strafrechtlich zu verfolgen".

Mehr unter:

- http://www.house.gov/frank/pressreleases/2009/06-19-09-marijuana-bills.html

- http://www.huffingtonpost.com/chris-weigant/barney-frank-introduces-m_b_219263.html

(Quellen: Pressemitteilung von Barney Frank vom 19. Juni 2009, Huffington Post vom 22. Juni 2009)

Kurzmeldungen

đŸ·ïž Wissenschaft — Osteoporose

Varianten innerhalb des Gens, das den Cannabinoid-2-Rezeptor kodiert, ist mit Osteoporose und einer niedrigen Knochenmineraldichte assoziiert. Neue Forschung von der UniversitÀt Bonn (Deutschland) zeigt, dass Variationen des Gens mit der Festigkeit der Handknochen assoziiert sind. (Quelle: Karsak M, et al. Hum Genet, 30. Juni 2009 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

đŸ·ïž Wissenschaft — OpiatabhĂ€ngigkeit

Nach tierexperimenteller Forschung einer französischen Gruppe beeinflusst THC die AnfĂ€lligkeit fĂŒr Opiatkonsum unterschiedlich bei normal behandelten Ratten und bei Ratten, die nach der Geburt keinen Kontakt zur Mutter hatten. THC verschlechterte die AnfĂ€lligkeit fĂŒr Opiate bei normalen Tieren, aber verbesserte die Defizite bei mĂŒtterlich vernachlĂ€ssigten Tieren. Die Autoren stellten fest, dass "diese Befunde auf die Selbstmedikation von Cannabis bei Untergruppen von Personen mit einer ungĂŒnstigen Umgebung nach der Geburt hinweisen". (Quelle: Morel LJ, et al. Neuropsychopharmacology, 24. Juni 2009 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

đŸ·ïž Wissenschaft — Makuladegeneration

Die altersbedingte Makuladegeneration ist eine Ursache der Blindheit, und die Pigmentzellen der Retina (Netzhaut) spielen eine SchlĂŒsselrolle bei der Auslösung und Entwicklung dieser Erkrankung. Die Makula ist ein zentraler Teil der Netzhaut. Forscher der UniversitĂ€t von Shanghai (China) zeigten, dass mehrere synthetische Cannabinoide, die auf CB1- und CB2-Rezeptoren wirkten, diese Zellen schĂŒtzten. Sie folgerten, dass die "Modulierung des Cannabinoidrezeptortonus Überlegungen fĂŒr zukĂŒnftige therapeutische Strategien der ARMD [altersbedingte Makuladegeneration] verdient". (Quelle: Wei Y, et al. Mol Vis 2009;15:1243-51.)

đŸ·ïž Wissenschaft — Schizophrenie

FrĂŒhere tierexperimentelle Forschung hat gezeigt, dass THC die Rate der Dopaminfreisetzung im Striatum (eine Gehirnregion) erhöht und so zu einer AnfĂ€lligkeit fĂŒr Psychosen fĂŒhrt. Neue Forschung aus dem Hammersmith-Krankenhaus in London (Großbritannien) zeigt, dass die Gabe von 10 mg oralem THC an 13 gesunde Freiwillige nicht zu einer Freisetzung signifikanter Mengen an Dopamin fĂŒhrte. Die Wissenschaftler folgerten, dass moderate THC-Dosen nicht zu einer signifikanten Dopaminfreisetzung fĂŒhren und dass ihre Beobachtungen "gegenwĂ€rtige Modelle von striataler Dopaminfreisetzung als Mechanismus, der Cannabis zu einem Risikofaktor der Schizophrenie macht, in Frage stellen". (Quelle: Stokes PR, et al. Neuroimage, 16. Juni 2009 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

đŸ·ïž Wissenschaft — MigrĂ€ne

Forscher der UniversitĂ€t Manchester (Großbritannien) zeigten, dass Variationen des Gens, das den CB1-Rezeptor kodiert, zu einer AnfĂ€lligkeit fĂŒr MigrĂ€ne fĂŒhrt. Sie verglichen 684 gesunde Kontrollpersonen mit 195 Personen, die an MigrĂ€nekopfschmerzen litten. (Quelle: Juhasz G, et al. Neurosci Lett, 17. Juni 2009 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

đŸ·ïž Wissenschaft — Kaposi-Sarkom

Wissenschaftler der UniversitÀt Catania (Italien) zeigten, dass ein synthetisches Cannabinoid (WIN 55,212-2), das sowohl an den CB1- als auch an den CB2-Rezeptor bindet, die LebensfÀhigkeit von Kaposi-Sarkomzellen verringert. Das Kaposi-Sarkom ist ein Krebs, der oft bei Aids-Patienten auftritt. (Quelle: Luca T, et al. Eur J Pharmacol, 17. Juni 2009 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

đŸ·ïž Wissenschaft — Schmerzen

Nach Forschung an der UniversitĂ€t von Miami (USA) gab es in einem Ratemodelle fĂŒr neuropathische Schmerzen bei Verletzung des RĂŒckenmarks innerhalb von 7 Tagen keine Toleranzentwicklung der schmerzlindernden Wirkungen des synthetischen Cannabinoids WIN 55,212-2. Im Gegensatz dazu nahm die Wirksamkeit von Morphium ĂŒber den gleichen Zeitraum ab. (Quelle:Hama A, et al. J Rehabil Res Dev 2009;46(1):135-43.)