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IACM-Informationen vom 30. September 2006

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đŸ·ïž Wissenschaft — Nabilon reduziert Schmerzen bei Patienten mit Spastik

Wissenschaftler der UniversitĂ€t von Innsbruck in Österreich fĂŒhrten eine kreuzkontrollierte Studie mit dem synthetischen Cannabinoid Nabilon bei 13 Patienten, die an chronischen Schmerzen wegen einer Spastik bei einem chronischen Syndrom der oberen motorischen Neuronen litten, durch. Die Teilnehmer erhielten sowohl 1 mg Nabilon pro Tag in einer Behandlungsphase und ein Plazebo in einer anderen Phase. 11 Patienten beendeten die Studie. Nabilon fĂŒhrte zu einer signifikanten Abnahme der Schmerzen, wĂ€hrend die Spastik, die motorischen Funktionen und die AktivitĂ€ten des tĂ€glichen Lebens nicht beeinflusst wurden. Die Nebenwirkungen waren im Allgemeinen gering. Von den zwei Patienten, die die Studie nicht beendeten, erlebte ein Patient eine mĂ€ĂŸig starke vorĂŒbergehende SchwĂ€che der unteren ExtremitĂ€ten und einer erlitt einen akuten Schub seiner multiplen Sklerose.

Die oberen motorischen Neuronen sind Nervenzellen, die ihren Ursprung im Gehirn haben und Fasern durch das RĂŒckenmark senden. Ihre Degeneration durch multiple Sklerose oder andere Ursachen kann zu Spastik und Muskelschmerzen fĂŒhren. Nabilon ist ein synthetischer Abkömmling von THC mit einem Ă€hnlichen pharmakologischen Profil.

(Quelle: Wissel J, Haydn T, Muller J, Brenneis C, Berger T, Poewe W, Schelosky LD. Low dose treatment with the synthetic cannabinoid Nabilone significantly reduces spasticity-related pain : A double-blind placebo-controlled cross-over trial. J Neurol, 20. September 2006; [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

🌐 Deutschland — Eine Zusammenfassung der einjĂ€hrigen Arbeit der Hanfapotheke

Nach einer Mitteilung der Hanfapotheke haben bisher 43 Patienten ĂŒber einen Arzt, der mit der Apotheke zusammen arbeitet, Zugang zur Hanfapotheke erhalten. 31 Personen haben bisher mindestens einmal Hanf zur Versorgung dieser Patienten gespendet. 15 dieser Spender ĂŒbernehmen die vollstĂ€ndige Versorgung mindestens eines Patienten, davon zwei Spender, die zwei Patienten versorgen, und ein Spender, der drei Patienten versorgt. 22 Patienten stehen zur Zeit unversorgt auf der Warteliste. Die Hanfapotheke arbeitet bisher ohne BelĂ€stigung durch staatliche Verfolgungsbehörden.

In der Mitteilung heißt es: "Wir halten es weiterhin fĂŒr einen Skandal, dass es uns geben muss, weil Politiker und Behörden dem Leid Schwerkranker nicht abhelfen, sondern diesen die notwendige Medikation faktisch verweigern und sie damit zu vermeidbaren Schmerzen und Beschwerden verurteilen. Wir wissen, dass unser Projekt dem tatsĂ€chlichen Ausmaß dieses ĂŒberflĂŒssigen Leidens nicht wirklich gerecht werden kann, aber gerade deshalb mĂŒssen wir weitermachen."

Internetseite der Hanfapotheke: http://www.hanfapotheke.org

(Quelle: Persönliche Mitteilung durch die Hanfapotheke vom 25. September 2006)

đŸ·ïž Wissenschaft — THC reduziert den Augeninnendruck bei Patienten mit Glaukom

Britische Forscher untersuchten die Wirkungen von THC und CBD bei sechs Patienten mit erhöhtem Augeninnendruck oder Glaukom. In einer vierfachen kreuzkontrollierten Studie erhielten die Teilnehmer 5 mg THC, 20 mg CBD, 40 mg CBD oder ein Plazebo. Die Substanzen wurden auf die Mundschleimhaut verabreicht.

Zwei Stunden nach der sublingualen Gabe von THC war der Augeninnendruck (AID) signifikant niedriger als nach Plazebo (im Durchschnitt 23,5 mm Hg versus 27,3 mm Hg). Der Druck stieg nach der 4-Stunden-Messung wieder auf den Ausgangswert an. Die Gabe von CBD reduzierte den Augeninnendruck nicht, die höhere Dosis fĂŒhrte nach vier Stunden jedoch zu einer leichten Erhöhung des Drucks. Die SehschĂ€rfe wurde nicht signifikant beeinflusst. Ein Patient erlebte eine vorĂŒbergehende und leichte panikartige Reaktion nach der THC-Gabe. Die Forscher folgerten, dass "eine einzelne sublinguale Dosis von 5 mg Delta-9-THC den AID vorĂŒbergehend reduzierte und von den meisten Patienten gut toleriert wurde."

(Quelle: Tomida I, Azuara-Blanco A, House H, Flint M, Pertwee RG, Robson PJ. Effect of sublingual application of cannabinoids on intraocular pressure: a pilot study. J Glaucoma. 2006 Oct;15(5):349-353.)

Kurzmeldungen

🌐 Kanada — Forschungsprogramm

Forschungsmittel, die fĂŒr die Finanzierung klinischer Forschung zur therapeutischen Verwendung von Cannabis vorgesehen waren, werden nach BudgetkĂŒrzungen, die in dieser Woche von der kanadischen Regierung bekannt gegeben wurden, nicht lĂ€nger fĂŒr Forscher verfĂŒgbar sein. Das mit 7,5 Millionen Dollar dotierte Medizinische Marihuana-Forschungsprogramm wurde ursprĂŒnglich im Jahre 1999 aufgelegt. Bisher wurde allerdings nur eine klinische Studie mit gerauchtem Cannabis bei chronischen Schmerzpatienten durch die kanadischen Behörden genehmigt. Diese Studie lĂ€uft weiter. (Quelle: NORML vom 28. September 2006,

http://www.cihr-irsc.gc.ca/e/4628.html)

đŸ·ïž Wissenschaft — Improgan

Improgan ist ein neues Nicht-Opiat-Schmerzmittel, das nicht an bekannten Histamin- oder Cannabinoid-Rezeptoren wirkt. Es wird durch einen CB1-Rezeptor-Antagonisten blockiert, bindet jedoch nicht an den CB1-Rezeptor und verursacht keine Cannabis-Ă€hnlichen psychotropen Wirkungen. Neue Forschung legt nahe, dass Improgan Endocannabinoide freisetzen oder neue Cannabinoid-Bindungsstellen aktivieren könnte. Die Forscher schlossen, dass "beide Möglichkeiten das Potenzial fĂŒr die Entwicklung neuer Arten von Analgetika eröffnet." (Quelle:Nalwalk JW, et al. Eur J Pharmacol, 26. August 2006; [elektronische Veröffentlichung von dem Druck])