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IACM-Informationen vom 28. Mai 2005

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Wissenschaft — THC hilft bei der Reduzierung der verzögerten Übelkeit bei Krebs-Chemotherapie

Ergebnisse einer neuen Studie zeigen, dass THC-Kapseln (Dronabinol) dabei helfen, verzögerte Übelkeit und Erbrechen bei Krebs-Chemotherapie zu reduzieren. Die Studie wurde am 16. Mai bei der jĂ€hrlichen Konferenz der amerikanischen Gesellschaft fĂŒr klinische Onkologie in Orlando, USA, vorgestellt. Sie verwendete Marinol, synthetisches THC von Solvay Pharmaceuticals, und wurde unter anderen von Forschern am Bethesda-Memorial-Krankenhaus in Boynton Beach, Florida, am Compassionate Cancer Care in Fountain Valley, Kalifornien, und am UniversitĂ€tskrankenhaus in Durham, Nord-Carolina, durchgefĂŒhrt.

Die Forschung legt zudem nahe, dass die zusĂ€tzliche Gabe einer kleinen THC-Dosis (2,5 mg) zur Standardmedikation bei der Linderung von Übelkeit und Erbrechen am ersten Tag der Chemotherapie hilfreich ist. Die Studie folgert, dass an den Tagen 2 bis 5 nach der Chemotherapie die kontinuierliche Behandlung mit THC allein oder in Kombination mit Ondansetron (ein hĂ€ufig verwendetes Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen) wirksamer als Plazebo bei der Reduzierung verzögerter Übelkeit und verzögerten Erbrechens ist. Es war vergleichbar mit Ondansetron allein. Symptome, die nach dem ersten Tag nach der Chemotherapie auftreten, werden als akute Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen bezeichnet. Verzögerte Übelkeit tritt mehr als 24 Stunden nach der Chemotherapie auf und ist manchmal eine Folge der unzureichenden Behandlung der akuten Übelkeit.

64 Teilnehmer, die eine mĂ€ĂŸig oder stark Brechreiz auslösende Chemotherapie erhielten, waren in eine Plazebo-kontrollierte, doppelblinde, fĂŒnf Tage dauernde Parallelgruppenstudie aufgenommen worden. Die Teilnehmer wurden zur Beurteilung an den Tagen 2 bis 5 in vier Therapiegruppen aufgeteilt: (1) THC, (2) Ondansetron, (3) eine Kombination von THC und Ondansetron und (4) Plazebo. Alle Gruppen erhielten vor Beginn der Chemotherapie eine Standardmedikation aus Dexamethason (ein CortisonprĂ€parat) und Ondansetron.

Am ersten Tag wurde ein vollstĂ€ndiges Ansprechen auf die Brechreiz hemmende Therapie in der Gruppe, die 2,5 mg THC und die Standardmedikation erhalten hatte, bei 79 Prozent der Teilnehmer erreicht, verglichen mit 40 Prozent bei Teilnehmern, die nur die Standard Therapie erhalten hatten. An den Tagen 2 bis 5 war die Wirksamkeit von THC vergleichbar mit der von Ondansetron. Beide waren bei der BekĂ€mpfung von Übelkeit und Erbrechen signifikant wirksamer als das Plazebo.

"Trotz der EinfĂŒhrung neuer Chemotherapien und Brechreiz hemmender Medikamente seit der Zulassung von Marinol im Jahr 1985 besteht weiterhin ein anhaltender Bedarf bei Patienten, die an Übelkeit und Erbrechen leiden," erklĂ€rte Dr. Harald H. Shlevin, PrĂ€sident von Solvay Pharmaceuticals.

(Quelle: Medical News Today vom 16. Mai 2005)

Wissenschaft Großbritannien — DreijĂ€hrige Studie untersucht therapeutische Wirkungen von THC bei multipler Sklerose

Der britische Medical Research Council (MRC) wird eine dreijĂ€hrige Studie mit THC bei multipler Sklerose (MS) finanzieren. Der MRC hat 2 Millionen britische Pfund (etwa 3 Millionen Euro) bewilligt, um die CUPID-Studie (Cannabinoid Use in Progressive Inflammatory Brain Disease) zu finanzieren. Die Studie wird von Dr. John Zajicek, Professor an der medizinischen FakultĂ€t Peninsula und am Derriford-Kankenhaus, in Zusammenarbeit mit Dr. Alan Thompson, Professor am Nationalen Krankenhaus fĂŒr Neurologie und Neurochirurgie und dem Institut fĂŒr Neurologie der UniversitĂ€t London geleitet.

Die CUPID-Studie, die spĂ€ter in diesem Jahr beginnen soll, soll 500 Patienten mit fortgeschrittener MS aus neurologischen Zentren in Großbritannien rekrutieren. Die Studie soll herausfinden, ob THC, der wichtigste aktive Inhaltsstoff der Cannabispflanze, das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen kann.

Die Studie folgt einer frĂŒheren Studie, die von der gleichen Gruppe durchgefĂŒhrt worden war, und Cannabinoide bei MS (CAMS) genannt wurde. Sie hatte sich auf den symptomatischen Nutzen von Cannabinoiden ĂŒber einen Zeitraum von 15 Wochen und 12 Monaten konzentriert. Es wurden Hinweise gefunden, dass THC eine Wirkung auf die Spastik-Werte und Messkriterien der körperlichen BeeintrĂ€chtigung bei den Patienten hatte, die THC 12 Monate lang einnahmen, jedoch nicht bei jenen, die die Einnahme nach 15 Wochen beendeten. Da CAMS eine kurze Studie war, hofft man nun, dass bei einer dreijĂ€hrigen Studie der Wert von THC bei der Verlangsamung des Fortschreitens der MS aufgrund seiner nervenschĂŒtzenden Eigenschaften deutlicher sichtbar wird.

Dr. Zajicek erklĂ€rte: "Zur Zeit gibt es nur sehr wenige Medikamente, die bei der Behandlung der MS wirksam sind, und es gibt keine, die einen nachgewiesenen Effekt in spĂ€teren Stadien der Erkrankung aufweisen. Wenn die CUPID-Studie zeigt, dass Cannabinoide eine lĂ€ngerfristige Wirkung auf das Fortschreiten der Erkrankung haben, so hat das potentiell weit reichende Implikationen, nicht nur fĂŒr die Gesundheit von Menschen mit MS, sondern auch fĂŒr solche mit anderen neurodegenerativen Erkrankungen."

(Quelle: Pressemitteilung der medizinischen FakultÀt Peninsula vom 24. Mai 2005)

Kurzmeldungen

USA — Ausweise in Kalifornien

Einige Landkreise von Kalifornien haben beschlossen, ein neues staatenweites Ausweissystem fĂŒr medizinischen Cannabis zu testen. Im Kreis Mendocino sind die Ausweise ab sofort fĂŒr 50 Euro erhĂ€ltlich. Das neue System bedeutet, dass medizinische Cannabispatienten eine Karte erhalten, die von allen Polizeibehörden des Staates anerkannt werden. Probleme könnten durch unterschiedliche Systeme entstehen, da einige Kreise ihre eigenen Ausweise herausgeben. (Quelle: Ukiah Daily Journal vom 26. Mai 2005)

Spanien — Apotheken

Nach einer Umfrage auf der Webseite des Clubs der Apotheken (Club de la Farmacia) unterstĂŒtzen drei von fĂŒnf spanischen Apotheken die Verteilung von Cannabis fĂŒr medizinische Zwecke ĂŒber Apotheken. Nur 11 Prozent der 200 Apotheken aus ganz Spanien, die den Fragebogen ausfĂŒllten, wĂŒrden auf keinen Fall die Droge abgeben. Katalonien plant eine Pilotstudie mit der Absicht, Cannabis durch katalanische Apotheken und einige KrankenhĂ€user abzugeben. (Quelle: Europa Press vom 16. Mai 2005)

USA — Rhode Island

Der Rechtsausschuss des Senats von Rhode Island hat am 19. Mai eine Gesetzesvorlage zu medizinischem Cannabis mit 9 zu 2 Stimmen angenommen. Die Gesetzesvorlage, die nun in den gesamten Senat eingebracht wird, wĂŒrde medizinische Cannabis-Patienten und ihre Betreuer vor der Bedrohung durch Verhaftung und GefĂ€ngnis schĂŒtzen. Patienten, die Cannabis zu medizinischen Zwecken verwenden dĂŒrften, erhielten spezielle Ausweise mit ihrem Namen und dem Namen ihres wichtigsten Betreuers. Es wĂ€re dem Patienten dann erlaubt, bis zu 12 Cannabispflanzen und 2,5 Unzen (70 Gramm) verwendbaren Cannabis zu besitzen. Eine Ă€hnliche Gesetzesvorlage wird im ReprĂ€sentantenhaus diskutiert. Beide Vorlagen haben eine gute Chance, in beiden HĂ€usern verabschiedet zu werden. (Quellen: Associated Press vom 18. Mai 2005, The Providence Journal vom 20. Mai 2005)

Holland — Coffee-Shops

In KĂŒrze wird in Maastricht, einer Stadt an der Grenze zu Deutschland und Belgien, ein Pilotprojekt starten, bei dem der Verkauf von Cannabis an AuslĂ€nder verboten ist. Die Mitte-Rechts-Regierung möchte AuslĂ€nder, vor allem junge Menschen, die auf der Suche nach Joints sind, aus dem Straßenbild von StĂ€dten wie Amsterdam verbannen. "Wir möchten alle Aspekte des Drogentourismus beendeten, die Tatsache, dass Menschen in die Niederlande kommen, um weiche Drogen zu nehmen oder sie mit nach Hause zu nehmen," erklĂ€rte der Sprecher des Justizministeriums Wim Kok. (Quelle: Reuters vom 23. April 2005)

Deutschland — Bayern

Ein Aids-Patient aus Bayern, der Cannabis gegen Nervenschmerzen und Appetitlosigkeit verwendete, wurde vom Amtsgericht Wolfratshausen zu einer Geldstrafe von 1350 Euro verurteilt. Ihm wurde der Besitz von 15,5 Gramm Cannabis vorgeworfen. Richter Helmut Berger stellte fest, er habe sich auch mit anderen Medikamenten behandeln können. Allerdings berĂŒcksichtigte er den Grund des Cannabiskonsums und reduzierte den ursprĂŒnglichen Strafbefehl um 2150 Euro. In sĂŒddeutschen BundeslĂ€ndern werden wegen Cannabisbesitzes im Allgemeinen höhere Strafen ausgesprochen als in nördlichen BundeslĂ€ndern, in denen das Verfahren vermutlich nur zu einer Verwarnung gefĂŒhrt hĂ€tte. (Quellen: Isar-Loisachbote vom 21. Mai 2005, persönliche Mitteilung)

Wissenschaft — Osteoporose

Wissenschaftler der UniversitĂ€t von Aberdeen in Großbritannien haben gezeigt, dass Blocker des Cannabinoidrezeptors Knochenverlust vorbeugen und daher nĂŒtzlich bei der Behandlung der Osteoporose sein könnten. Dr. Stuart Ralston, der die Studie leitete, nimmt an, dass andererseits Cannabinoide einen negativen Effekt haben könnten. "Wir haben keine Cannabiskonsumenten untersucht, aber die Arbeit die wir gemacht haben, legt nahe, dass reichlicher Cannabiskonsum Knochen absorbierende Zellen stimulieren wĂŒrde, und das wĂ€re schlecht, " erklĂ€rte er. Es gibt allerdings bisher keine klinischen Daten, die diese Hypothese unterstĂŒtzen wĂŒrden. (Quellen: The Independent vom 23. Mai 2005; Idris AI, et al. Nat Med. 2005, 22. Mai; [elektronische Publikation vor dem Druck])

Wissenschaft — Glaukom

CB2-Cannabinoid-Rezeptoren wurden im Auge entdeckt, und ihre Aktivierung verstĂ€rkte den Ausfluss der AugenflĂŒssigkeit. Daher könnten Cannabinoide, die selektiv CB2-Rezeptoren aktivieren, nĂŒtzlich bei der Senkung des erhöhten Augeninnendrucks bei Glaukompatienten sein. (Quelle: Zhong L, et al. Invest Ophthalmol Vis Sci. 2005;46(6):1988-92.)

Wissenschaft — EntzĂŒndung der Luftwege

Die experimentelle Forschung zeigt, dass das synthetische Cannabinoid WIN55,212-2, das Ă€hnliche Wirkungen wie THC ausĂŒbt, neurogene EntzĂŒndungen in Geweben der Luftwege hemmt. Diese entzĂŒndungshemmende Wirkung wurde durch CB2-Rezeptoren vermittelt. (Quelle: Yoshihara S, et al. J Pharmacol Sci. 2005;98(1):77-82.)