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IACM-Informationen vom 27. Mai 2017

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đŸ·ïž Wissenschaft/Mensch — Cannabidiol wirksam gegen Epilepsie beim Dravet-Syndrom

Eine klinische Studie mit 120 Kindern und jungen Erwachsenen, die am Dravet-Syndrom litten, und die zeigt, dass CBD (Cannabidiol) wirksam bei der Symptomkontrolle ist, wurde nun im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Verschiedene Zentren in den USA nahmen an der Placebo-kontrollierten Studie ĂŒber 14 Wochen teil.

Die mediane HĂ€ufigkeit konvulsiver AnfĂ€lle pro Monat nahm mit CBD von 12,4 auf 5,9 ab, verglichen mit einer Abnahme von 14,9 auf 14,1 fĂŒr das Placebo. Der Anteil der Patienten, die eine Reduzierung der konvulsiven AnfĂ€lle um mindestens 50 % aufwiesen, betrug 43 % mit CBD und 27 % mit dem Plazebo. Der Gesamtzustand der Patienten verbesserte sich nach einer etablierten Skala in der CBD-Gruppe bei 62 % um mindestens eine Kategorie, verglichen mit 34 % in der Plazebogruppe.

Devinsky O, Cross JH, Laux L, Marsh E, Miller I, Nabbout R, Scheffer IE, Thiele EA, Wright S; Cannabidiol in Dravet Syndrome Study Group. Trial of Cannabidiol for Drug-Resistant Seizures in the Dravet Syndrome. N Engl J Med. 2017;376(21):2011-2020.

đŸ·ïž Wissenschaft/Mensch — Cannabis wird nach einer großen Umfrage als Ersatz fĂŒr verschriebene Medikamente verwendet

Nach einer online-Umfrage mit 2774 Teilnehmern, die angaben, mindestens einmal in den vergangenen 90 Tagen Cannabis konsumiert zu haben, erklĂ€rte etwa die HĂ€lfte, dass sie Cannabis als Ersatz fĂŒr verschriebene Medikamente verwendet. Dies ist das Ergebnis von Forschung durch Wissenschaftler des Zentrums fĂŒr medizinische Cannabisbildung in Del Mar, dem universitĂ€ren Bastyr Forschungsinstitut in Kenmore und dem Institut fĂŒr medizinische Forschung, Zentrum fĂŒr das Studium von Cannabis und Sozialpolitik, in Seattle (USA).

Insgesamt gaben 1248 (46 %) der Teilnehmer an, Cannabis als Ersatzmittel fĂŒr verschriebene Medikamente zu verwenden. Die hĂ€ufigsten Klassen der ersetzten Medikamente waren BetĂ€ubungsmittel/Opiate (35,8 %), angstlösende Medikamente/Benzodiazepine (13,6 %) und Antidepressiva (12,7 %). Insgesamt wurden 2473 Ersetzungen angegeben, oder etwa zwei Ersetzungen pro Teilnehmer, die Medikamente ersetzten. Die Autoren schrieben, dass „diese Angaben von Patienten frĂŒhere Forschung unterstĂŒtzen, wonach Personen Cannabis als Ersatzmittel fĂŒr verschriebene Medikamente, insbesondere BetĂ€ubungsmittel/Opiate verwenden, und dies unabhĂ€ngig davon, ob sie sich selbst als medizinische oder nicht medizinische Konsumenten betrachten“.

Corroon JM Jr, Mischley LK, Sexton M. Cannabis as a substitute for prescription drugs - a cross-sectional study. J Pain Res. 2017;10:989-998.

🌐 USA — Der Staat Washington erlaubt den Eigenanbau von Cannabis durch Patienten

Gouverneur Jay Inslee unterzeichnete ein Gesetz, Senatsvorlage 5131, die den Zugang von Patienten zu medizinischem Cannabis verbessert. Das neue Gesetz erlaubt zum ersten Mal registrierten Patienten, legal Cannabissamen, Klone und unreife Pflanzen von lizenzierten Lieferanten zu kaufen.

Andere Teile des Gesetzes erlauben Nichtpatienten, legal Cannabisprodukte miteinander zu teilen, und beauftragen die staatliche Alkohol- und Cannabisstelle, VorschlÀge zur Frage zu machen, ob ein Selbstanbau in einem begrenztem Umfang durch Erwachsene erlaubt werden sollte. Washington ist der einzige Staat, der den Konsum und den kommerziellen Verkauf von Cannabis an Erwachsene regelt, jedoch Erwachsenen nicht erlaubt, die Pflanze selbst anzubauen.

NORML vom 24. Mai 2017

🌐 Uruguay — GrĂŒndung der Gesellschaft fĂŒr Endocannabinologie von Uruguay

In einer Pressemitteilung gab der Vorstand die GrĂŒndung der Gesellschaft fĂŒr Endocannabinologie von Uruguay (SUEN, Sociedad Uruguaya de EndocannabinologĂ­a) am 15. Mai in Montevideo bekannt. In ihrer Pressemitteilung schreibt die Gesellschaft: „Die wichtigsten Ziele von SUEN sind die Verbreitung des Wissens und der Fortschritte in der Endocannabinologie im akademischen Raum und in der Bevölkerung, die UnterstĂŒtzung der Bildung und Forschung zur Endocannabinologie sowie der Zugang von Cannabis und Cannabinoid-Behandlungen, die der Gesundheit nutzen, immer auf der Basis eines tiefen Respekts fĂŒr Menschenrechte, Prinzipien der medizinischen Ethik und öffentlichen Gesundheit“.

Der Vorstand besteht aus Dr. Raquel Peyraube (PrĂ€sidentin), Dr. Julia Galzerano (VizeprĂ€sidentin), Dr. Leticia Cuñetti (GeschĂ€ftsfĂŒhrerin), Dr. Richard Clark (Schatzmeister) und Dr. Alejandro Scaramelli (Sprecher).

Pressemitteilung der SUEN vom 19. Mai 2017.

La Diaria vom 17. Mai 2017

🌐 Chile — Die BĂŒrger bauen vermehrt ihr eigenes medizinisches Cannabis an

Die Chilenen bauen vermehrt ihr eigenes Cannabis fĂŒr medizinische Zwecke an, nachdem das konservative sĂŒdamerikanische Land begonnen hat, die rechtlichen Verbote der formal illegalen Pflanze zu lockern. Im Jahr 2015 legalisierte Chile die medizinische Verwendung von Cannabis. Anfang Mai begannen Apotheken in der Hauptstadt Santiago mit dem Verkauf von Medikamenten auf Cannabisbasis, das erste Mal, dass solche Behandlungen durch Apotheken in Lateinamerika angeboten werden.

UnterstĂŒtzer der medizinischen Verwendung der Pflanze stellen sicher, dass Chilenen mit ernsthaften Erkrankungen das Wissen erhalten, um die Pflanze anzubauen, selbst wenn dies in einer rechtlichen Grauzone stattfindet. In Santiago hielt die Daya Foundation einen Workshop ab, bei denen Patienten lernen konnten, die Pflanze selbst anzubauen.

Reuters vom 22. Mai 2017.

Kurzmeldungen

đŸ·ïž Wissenschaft — SchlĂŒsselvortrĂ€ge beim ICR-Kongress 2017 online verfĂŒgbar

SchlĂŒsselvortrĂ€ge von Dr. Carl Hart, Dr. Raphael Mechoulam und Dr. Alexandros Makriyannis beim Kongress der ICR (z.B. Institute of Cannabis Research) des Jahres 2017 sind online verfĂŒgbar:

Dr. Carl Hart: How and Why Marijuana Research is Biased toward Negative Effect.

Dr. Raphael Mechoulam: The Endocannabinioid System: A Look Back and Ahead.

Dr. Alexandros Makriyannis: Cannabis and the Endocannabinoid System: Therapeutic Opportunities.

đŸ·ïž Wissenschaft/Mensch — Ein frĂŒher Beginn des Cannabiskonsums war mit einem geringeren schulischen Abschluss verbunden, wĂ€hrend dies bei einem spĂ€teren Beginn nicht der Fall war

In einer Studie mit 1103 Personen im Alter zwischen 22 und 35 Jahren war ein frĂŒher Beginn des Cannabiskonsums im Vergleich zu Nichtkonsumenten wahrscheinlicher mit einem geringeren Bildungsabschluss verbunden. Personen, die spĂ€ter mit dem Konsum begannen, wiesen keinen geringeren Schulabschluss auf als Nichtkonsumenten. Ein frĂŒher Cannabiskonsum und Schulabschluss wiesen bei jungen Frauen eine stĂ€rkere Beziehung auf als bei jungen MĂ€nnern.

INSERM, Paris, France.

Melchior M, et al. Int J Epidemiol, 18. Mai 2017 [im Druck]

đŸ·ïž Wissenschaft/Mensch — Capsaizin war hilfreich bei der Behandlung des Cannabis-Hyperemesis-Syndroms

Cannabiskonsum kann zu Übelkeit und Erbrechen fĂŒhren, zu einem sogenannten Cannabis-Hyperemesis-Syndrom. Der Vanilloid-1-Rezeptor (TRPV 1) könnte an diesem Syndrom beteiligt sein. Bei 13 Patienten mit diesem Syndrom gaben die Autoren Capsaizin, das an den TRPV1-Rezeptor bindet, auf die Haut, was zu einer Verbesserung der Symptome fĂŒhrte.

Medizinische FakultÀt, UniversitÀt von Massachusetts, Worcester, USA.

Dezieck L, et al. Clin Toxicol (Phila), 11. Mai 2017:1-6.

đŸ·ïž Wissenschaft/Tier — Die Aktivierung des CB2-Rezeptors könnte eine stammzellbasierte Therapie bei Herzerkrankungen verbessern

Ein synthetisches Cannabinoid, das den CB2-Rezeptor aktiviert (AM1241), verbesserte das Überleben von Stammzellen. Bei Tieren verbesserten die Stammzellen zusammen mit dem Cannabinoid die Herzfunktion und reduzierten den oxidativen Stress fĂŒr das Herz.

Chinesisches Allgemeines Krankenhaus PLA, Peking, China.

Han D, et al. Oncotarget, 4. Mai 2017 [im Druck]

đŸ·ïž Wissenschaft/Mensch — Starker Cannabiskonsum könnte das Befolgen der Medikamenteneinnahme bei Patienten mit Psychosen reduzieren

In einer Studie mit 233 Patienten mit einer ersten Psychose-Episode war starker Cannabiskonsum mit einer Reduzierung des Befolgens der Einnahme der antipsychotischen Medikation verbunden, wÀhrend gelegentlicher Konsum oder die Verwendung von Cannabis mit geringen THC-Konzentrationen die Verwendung der Standardmedikation nicht reduzierte.

Institut fĂŒr Psychiatrie, Psychologie und Neurowissenschaften, Kings College London, Großbritannien.

Schoeler T, et al. Psychiatry Res. 2017;255:36-41.

đŸ·ïž Wissenschaft/Mensch — MigrĂ€ne ist nicht mit einem allgemeinen Mangel an Endocannabinoiden verbunden

In einer Studie mit 26 gesunden Frauen und 38 mit MigrĂ€ne gab es keine Unterschiede in den Blutkonzentrationen von Endocannabinoiden. Die Autoren schrieben, dass „gefolgert wird, dass MigrĂ€ne nicht mit einem generalisierten (im Gegensatz zu einem lokalen) Mangel an diesen Lipiden verbunden ist“.

Chemisches Institut, UniversitÀt UmeÄ, Schweden.

Gouveia-Figueira S, et al. Prostaglandins Leukot Essent Fatty Acids. 2017;120:15-24

đŸ·ïž Wissenschaft/Mensch — Cannabiskonsumenten, die sich behandeln lassen, unterscheiden sich von Cannabiskonsumenten in der Allgemeinbevölkerung

Forscher verglichen Charakteristika von Cannabiskonsumenten in einer Klinik, die den Konsum einstellen wollten, mit Charakteristika von Konsumenten in der Allgemeinbevölkerung. In der Klinik fanden sich hÀufiger Àltere Erwachsene, Afroamerikaner, Latinos, Erwachsene mit höherer Bildung, Nichttabakkonsumenten sowie tÀgliche oder nahezu tÀgliche Cannabiskonsumenten.

Medizinische UniversitĂ€t von SĂŒdkarolina, Charleston, USA.

McClure EA, et al. Drug Alcohol Depend. 2017;176:14-20

đŸ·ïž Wissenschaft/Zellen — Endocannabinoide könnten die Konsequenzen einer chronisch reduzierten Blutversorgung auf das Gehirn abschwĂ€chen

Einer Störung der Bluthirnschranke, die durch eine chronisch reduzierte Blutversorgung des Gehirns verursacht werden kann, wurde durch die Hemmung der FAAH (FettsĂ€ureamidhydrolase), die zu einer Zunahme der Endocannabinoidkonzentrationen fĂŒhrt, gehemmt.

Medizinische FakultÀt, Tong Ji UniversitÀt, Shanghai, China.

Wang DP, et al. Biomed Pharmacother. 2017;91:872-879.

đŸ·ïž Wissenschaft/Zellen — Die Aktivierung des CB1-Rezeptors könnte eine negative Wirkung wĂ€hrend der Entwicklung der Plazenta haben

In Zellexperimenten mit menschlichen Plazenta-Zellen verursachte die Aktivierung des CB1-Rezeptors durch das synthetische Cannabinoid WIN 55,212-2 einen Wachstumsstopp der Zellen. Die Autoren schrieben, dass ihre Forschung „den Einfluss des Cannabiskonsums wĂ€hrend der Entwicklung der Plazenta aufklĂ€ren könnte“.

Faculdade de FarmĂĄcia, Universidade do Porto, Portugal.

Almada M, et al. Toxicology, 8. Mai 2017 [im Druck]

đŸ·ïž Wissenschaft/Mensch — Substanz-induzierte psychotische Störungen erhöhen das Risiko fĂŒr die Entwicklung einer Schizophrenie

In einer Studie mit 3486 Patienten, die nach einer substanzinduzierten psychischen Störung ins Krankenhaus eingewiesen wurden, entwickelten 17,3 % innerhalb der folgenden Jahre eine Schizophrenie. Das Risiko fĂŒr Cannabis, Stimulanzien und Opiate war Ă€hnlich. Risikofaktoren umfassten mĂ€nnliches Geschlecht, jĂŒngeres Alter und einen lĂ€ngeren ersten Krankenhausaufenthalt.

Queen Margaret Krankenhaus, Dunfermline, Großbritannien.

Alderson HL, et al. Psychol Med, 3. Mai 2017:1-8.

đŸ·ïž Wissenschaft — Gene, die am Transport, der Wirkung und der Verstoffwechselung von Cannabinoiden beteiligt sind

Ein neuer Artikel gibt einen Überblick ĂŒber Gene des menschlichen Körpers, die an der Wirkung der Endocannabinoide beteiligt sind. Die Autoren unterteilen sie in: Rezeptorgene – CNR1, CNR2, TRPV1 und GPR55, Transportergene – ABCB1, ABCG2, SLC6A, Gene fĂŒr Proteine zur Biotransformation, Synthese und Aktivierung – CYP3A4, CYP2C19, CYP2C9, CYP2A6, CYP1A1, COMT, FAAH, COX2, ABHD6, ABHD12 sowie MAPK14.

Institut fĂŒr Humangenetik, polnische Akademie der Wissenschaften, Poznan, Polen.

Hryhorowicz S, et al. Eur J Drug Metab Pharmacokinet, 22. Mai 2017 [im Druck]