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IACM-Informationen vom 26. Februar 2011

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Wissenschaft — THC verbessert die Geschmacks- und Geruchswahrnehmung, den Appetit und den Schlaf bei Krebspatienten

An der Abteilung fĂŒr Landwirtschafts-, Nahrungs- und ErnĂ€hrungswissenschaften der UniversitĂ€t von Alberta (Kanada) untersuchte eine Pilotstudie die Wirkungen von THC (Dronabinol) auf die Geschmacks- und Geruchswahrnehmung sowie auf Appetit, Kalorienaufnahme und LebensqualitĂ€t bei Krebspatienten. Erwachsene mit fortgeschrittenem Krebs, mit schlechtem Appetit und Änderungen der chemosensorischen Wahrnehmung wurden in die Studie aufgenommen und in einem Doppelblinddesign zufĂ€llig einer der beiden Gruppen zugeordnet, die THC- oder Plazebokapseln erhielten. 24 Teilnehmer erhielten zweimal tĂ€glich 2,5 mg THC und 22 erhielten 18 Tage lang ein Plazebo. 21 Patienten beendeten die Studie.

Die THC- und Plazebogruppen wiesen vergleichbare Ausgangswerte auf. Patienten, die mit THC behandelt worden waren, gaben eine signifikant verbesserte und verstĂ€rkte chemosensorische Wahrnehmung an, und das Essen "schmeckte besser". Der Appetit vor der Mahlzeit und der Anteil der Kalorien, der als Protein aufgenommen wurde, war verglichen mit dem Plazebo signifikant verbessert. Die mit THC behandelten Patienten gaben eine verbesserte SchlafqualitĂ€t und Entspannung an. Die Forscher folgerten, dass "THC nĂŒtzlich bei der Linderung chemosensorischer VerĂ€nderungen und zur Verbesserung des Nahrungsgenusses bei Krebspatienten sein könnte".

(Quelle: Brisbois TD, de Kock IH, Watanabe SM, Mirhosseini M, Lamoureux DC, Chasen M, Macdonald N, Baracos VE, Wismer WV. Delta-9-tetrahydrocannabinol may palliate altered chemosensory perception in cancer patients: results of a randomized, double-blind, placebo-controlled pilot trial. Ann Oncol, 22. Februar 2011 [im Druck])

Spanien — Sativex wird bei Patienten mit Spastik bei multipler Sklerose erstattet

Das pharmazeutische Unternehmen Almirall gab bekannt, dass das spanische Gesundheitsministerium eine Erstattung des Cannabisextrakts Sativex in Spanien gewĂ€hrt. Es ist eine Behandlungsform fĂŒr Patienten mit Spastik bei MS, die nicht auf andere Medikamente angesprochen haben. Sativex wird als oraler Spray verabreicht. Die Zulassung von Sativex in weiteren EU-Mitgliedstaaten wird fĂŒr 2011 erwartet.

Es wird geschĂ€tzt, dass etwa 40.000 Menschen in Spanien an multipler Sklerose leiden, von denen etwa 75 Prozent eine Spastik aufweisen. Sativex wurde von dem britischen Unternehmen GW Pharmaceuticals entwickelt und wird in Europa (mit Ausnahme von Großbritannien) von Almirall vermarktet. Eine Zulassung besteht bereits fĂŒr Großbritannien, wo Sativex von dem Unternehmen Bayer vermarktet wird.

(Quelle: Pressemitteilung von Almirall vom 16. Februar 2011)

Wissenschaft — Wirkungen synthetischer Cannabinoide (JWH-018) beim Menschen

Ein Wissenschaftler aus Neuseeland untersuchte psychologische Wirkungen von JWH-018, ein synthetisches Cannabinoid, das in Zubereitungen wie "Spice" gefunden wurde. Zu diesem Zweck wurden 15 Personen mit ausgeprĂ€gten Geisteskrankheiten befragt. Alle 15 Teilnehmer kannten ein örtlich verfĂŒgbares, JWH-018 enthaltendes Produkt namens "Aroma" und 86 Prozent gaben an, es probiert zu haben.

Sie hoben die starke PsychoaktivitĂ€t des Produkts, seine LegalitĂ€t, leichte VerfĂŒgbarkeit und die fehlende Nachweisbarkeit beim Drogentest als GrĂŒnde fĂŒr seine PopularitĂ€t hervor. Die meisten gaben an, es habe Cannabis als ihre bevorzugte Droge ersetzt. Angst und psychotische Symptome traten nach dem Konsum hĂ€ufig auf. Niemand gab an, nach der Verwendung von JWH-018 körperliches Unwohlsein erlebt zu haben, und niemand gab Entzugssymptome an.

(Quelle: Every-Palmer S. Synthetic cannabinoid JWH-018 and psychosis: An explorative study. Drug Alcohol Depend, 10. Februar 2011 [im Druck])

Kurzmeldungen

USA — UnterstĂŒtzung fĂŒr Legalisierung

Nach einer Umfrage des Economist unterstĂŒtzt eine Mehrheit der US-Amerikaner die Legalisierung und Besteuerung von Cannabis. Auch ohne Ausschluss der Teilnehmer, die unentschlossen waren, gab es eine klare Mehrheit fĂŒr eine Gleichbehandlung der Droge mit Tabak und Alkohol. Junge Menschen sind stark dafĂŒr, aber auch Ă€ltere Teilnehmer unterstĂŒtzen die Legalisierung. Wenn die Umfrage hinsichtlich der Parteizugehörigkeit betrachtet wird, findet man, dass sowohl Republikaner als Demokraten dafĂŒr sind, auch wenn die letzteren zu einem grĂ¶ĂŸeren Teil eine Legalisierung befĂŒrworten. (Quelle: The Economist vom 10. Februar 2011)

USA — Cannabis und Straßenverkehr

Die Gesetzgeber in Colorado ĂŒberlegen, ob sie einen Grenzwert im Blut fĂŒr das Fahren unter dem Einfluss von Cannabis einfĂŒhren sollen. Das wĂŒrde Colorado zu einem von drei Staaten mit einem solchen Grenzwert machen. Nach dem Vorschlag wĂŒrden Fahrer, die 5 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) oder mehr THC im Blut aufweisen, als zu beeintrĂ€chtigt zur Teilnahme am Straßenverkehr betrachtet. (Quelle: Associated Press vom 20. Februar 2011)

Wissenschaft — MigrĂ€ne

GemĂ€ĂŸ Forschung an der UniversitĂ€t von Pavia (Italien) verbesserte das Endocannabinoid Anandamid die MigrĂ€ne in einem Rattenmodell der Erkrankung. Die Autoren stellten fest, dass "eine Fehlfunktion des Endocannabinoidsystems zur Entwicklung von MigrĂ€neattacken beitragen könnte, und dass eine pharmakologische Modulierung von Cannabinoidrezeptoren nĂŒtzlich bei der Behandlung von MigrĂ€neschmerzen sein könnte". (Quelle: Greco R, et al. J Headache Pain, 18. Februar 2011 [im Druck])

Wissenschaft — Cannabisanbau

Forscher des Nationalen Instituts fĂŒr Gesundheit und Sozialwesen in Helsinki (Finnland) verglichen den hĂ€uslichen Cannabisanbau in DĂ€nemark und Finnland, um nationale Charakteristika des Cannabisanbaus von geringem Umfang zu beschreiben. Sie fĂŒhrten eine Internetumfrage mit 401 Teilnehmern aus DĂ€nemark und 1054 aus Finnland durch. Cannabis wurde vor allem fĂŒr den Eigenbedarf angebaut, aber das Teilen mit Freunden und die Vermeidung krimineller Kreise wurden ebenfalls als wichtige Motive fĂŒr den Eigenanbau beschrieben. Finnische Anbauer bevorzugen den Anbau im Haus, wĂ€hrend DĂ€nen mehr den Anbau im Freien bevorzugen. Der Anbau fĂŒr medizinische Zwecke war in Finnland doppelt so hoch wie in DĂ€nemark. (Quelle: Hakkarainen P, et al. Eur Addict Res 2011;17(3):119-128.)

Wissenschaft — Anandamid und THC

Forscher an der Virginia-Commonwealth-UniversitĂ€t in Richmond (USA) untersuchten Gemeinsamkeiten in der Wirkung des Endocannabinoids Anandamid und des Pflanzencannabinoids THC bei MĂ€usen. Ihre Befunde legen nahe, dass beim Fehlen des Enzyms, das fĂŒr den Abbau von Anandamid verantwortlich ist (FettsĂ€ureamidhydrolase, FAAH), das Endocannabinoid "einen dem THC und damit auch Marihuana vergleichbaren Rausch verursacht". (Quelle: Walentiny DM, et al. Eur J Pharmacol, 11. Februar 2011 [im Druck])

Wissenschaft — Magenkrebs

Nach Angaben von Forschern der Katholischen UniversitÀt von Korea in Seoul (Korea) unterbricht das synthetische Cannabinoid WIN 55,212-2 den Zellzyklus von Magenkrebszellen in der so genannten G1-Phase und reduziert so die Krebsvermehrung. (Quelle: Park JM, et al. J Cell Biochem, 10. Februar 2011 [im Druck])

Wissenschaft — GPR55

Der GPR55-Rezeptor war ursprĂŒnglich als möglicher dritter Cannabinoidrezeptor identifiziert worden. Forscher an der Kyushu-UniversitĂ€t in Fukuoka (Japan) versuchten, den natĂŒrlichen Liganden dieses Rezeptors zu identifizieren. Aus ihren Untersuchungen schließen sie, dass 2-Arachidonoyl-Lysophosphatidyllinositol "der wahrscheinlichste natĂŒrliche Ligand von GPR55" ist. (Quelle: Okuno T, Yokomizo T. J Biochem, 15. Februar 2011 [im Druck])

Wissenschaft — Parkinson-Krankheit

Spanische und britische Wissenschaftler untersuchten die Wirkungen von Delta-9-Tetrahydrocannabivarin (THCV) in einem Tiermodell fĂŒr den Morbus Parkinson. Sie folgerten, dass "angesichts der anti-oxidativen Eigenschaften und seiner FĂ€higkeit, den CB2-Rezeptor zu aktivieren, jedoch den CB1-Rezeptor zu blockieren, Delta-9-THCV sowohl ein viel versprechendes pharmakologisches Profil fĂŒr die Verzögerung des Fortschreitens der Parkinson-Krankheit als auch fĂŒr die Linderung der Krankheitssymptome besitzt". (Quelle: GarcĂ­a C, et al. Br J Pharmacol, 16. Februar 2011 [im Druck])

Wissenschaft — Pigmentierung der Haut

Nach Forschung an der UniversitĂ€t von Porto (Portugal) reduzierte die Aktivierung des CB1-Rezeptors die Pigmentierung der Haut, die durch Ultraviolett-B-Strahlung induziert worden war. Die Wissenschaftler folgerten, dass "das Endocannabinoidsystem in der Haut ein möglicher Angriffspunkt fĂŒr zukĂŒnftige Therapien von Pigmentstörungen darstellt". (Quelle: Magina S, et al. Arch Dermatol Res, 5. Februar 2011 [im Druck])

Wissenschaft — EntzĂŒndung

Nach Forschung an der Thomas-Jefferson-UniversitĂ€t in Philadelphia (USA) zeigte ein selektiver CB2-Rezeptoragonist (0-1966) neuroprotekive Wirkungen in einem Mausmodell fĂŒr traumatische Hirnverletzungen. (Quelle: Elliott MB, et al. J Neurotrauma, 20. Februar 2011 [im Druck])