Veröffentlicht
Zuletzt aktualisiert
Lesezeit

IACM-Informationen vom 24. Mai 2008

Authors

USA ‚ÄĒ Barack Obama k√∂nnte strafrechtliche Ma√ünahmen der Bundesbeh√∂rden in Staaten mit medizinischen Cannabisgesetzen beenden, wenn er zum Pr√§sidenten gew√§hlt wird

Nach einem Bericht des San Francisco Chronicle ist Senator Barack Obama ein zunehmend deutlicher Unterst√ľtzer der Beendigung bundesbeh√∂rdlicher Interventionen und der M√∂glichkeit, Staaten ihre eigenen Regeln festlegen zu lassen, geworden, wenn es sich um medizinischen Cannabis dreht. Seine demokratische Rivalin, Senatorin Hillary Clinton, ist weniger deutlich und schw√§chte j√ľngst ein Versprechen, bundesbeh√∂rdliche Razzien in Staaten mit medizinischen Cannabisgesetzen zu stoppen, das sie zu Beginn ihrer Kampagne gegeben hatte, ab. Senator John McCain von der republikanischen Partei hat sich in dieser Frage vor- und zur√ľckbewegt. Er versprach einem medizinischen Cannabispatienten bei einem Kampagnenaufenthalt, dass schwerkranke Patienten unter einer McCain-Administration niemals verhaftet w√ľrden, unterst√ľtzte jedoch schlie√ülich das Vorgehen der Bush-Administration mit Razzien und strafrechtlicher Verfolgung.

Auf k√ľrzlich gestellte Fragen des San Francisco Chronicle zu Staaten, die die medizinische Verwendung von Cannabis legalisiert haben, an die drei Bewerber, antwortete nur die Obama-Kampagne. Der Sprecher der Kampagne Ben LaBolt erkl√§rte: "Obama unterst√ľtzt die Rechte von Staaten und lokalen Regierungen, diese Wahl zu treffen - obwohl er denkt, dass medizinisches Marihuana wie andere Medikamente den Regelungen der US Food and Drug Administration [US-amerikanische Arzneimittelbeh√∂rde] unterliegen sollte." Er erkl√§rte, dass die FDA √ľberpr√ľfen sollte, wie Cannabis nach dem Bundesgesetz geregelt ist, w√§hrend es den Staaten freigestellt sein sollte, den eigenen Kurs festzulegen. LaBolt sagte zudem, dass Obama die Razzien der Bundesdrogenbeh√∂rde DEA gegen Versorgungsstellen f√ľr medizinischen Cannabis in Staaten mit ihren eigenen Gesetzen beenden w√ľrde. Senator Obama wurde daraufhin in einer Presseerkl√§rung des republikanischen nationalen Komitees angegriffen, in der es hei√üt, dass seine Position zu Razzien der DEA an der Kandidatur von Obama "ernsthafte Zweifel verursacht".

Mehr unter:

http://www.sfgate.com/cgi-bin/article.cgi?f=/c/a/2008/05/12/MNKK10FD53.DTL

http://www.prnewswire.com/cgi-bin/stories.pl?ACCT=109&STORY=/www/story/05-14-2008/0004813895&EDATE=

(Quellen: San Francisco Chronicle vom 12. Mai 2008, Presseerklärung des RNC vom 14. Mai 2008)

Wissenschaft ‚ÄĒ Dronabinol wirksam bei der Behandlung vokaler Tics und Dystonie bei einer Patientin mit multipler Sklerose

Wissenschaftler der Stadt Washington (USA) stellten einen Fallbericht einer 52 Jahre alten Frau mit multipler Sklerose, anfallsartiger Dystonie, komplexen vokalen Tics und Cannabisabhängigkeit vor. Die Patientin erhielt orales Dronabinol in Kapselform. Sie gab eine dramatische Abnahme des Verlangens nach Cannabis an, erlebte mit der oralen Medikation jedoch keine psychischen Wirkungen wie mit inhaliertem Dronabinol beim Rauchen von Cannabis. Sie gab zudem eine Verbesserung der Schlafqualität mit einer Abnahme der Häufigkeit des Aufwachens während der Nacht, eine Reduzierung der vokalen Tics und der assoziierten inneren Spannung, eine verminderte Angst und eine reduzierte Häufigkeit anfallsartiger Dystonien an.

Dronabinol (THC) ist ein nat√ľrliches Cannabinoid der Cannabispflanze, das trans-Isomer von Delta-9-THC. Marinol, die medizinische THC-Zubereitung von Solvay Pharmaceuticals, enth√§lt Dronabinol, das vollst√§ndig synthetisch hergestellt wird. Dronabinol kann auch aus der Cannabispflanze extrahiert werden, wie es das niederl√§ndische Unternehmen Echo Pharmaceuticals macht, und es kann durch Isomerisierung von Cannabidiol, das aus Faserhanf gewonnen wurde, hergestellt werden, wie es von den deutschen Unternehmen THC Pharm und Bionorica Ethics gemacht wird. Sativex des britischen Unternehmens GW Pharmaceuticals enth√§lt einen Cannabisextrakt mit gleichen Anteilen an Dronabinol und Cannabidiol.

(Quelle: Deutsch SI, Rosse RB, Connor JM, Burket JA, Murphy ME, Fox FJ. Current status of cannabis treatment of multiple sclerosis with an illustrative case presentation of a patient with ms, complex vocal tics, paroxysmal dystonia, and marijuana dependence treated with dronabinol. CNS Spectr 2008;13(5):393-403.)

Kurzmeldungen

USA ‚ÄĒ Minnesota

F√ľnfzig religi√∂se F√ľhrer des Staates Minnesota dr√§ngen das Repr√§sentantenhaus von Minnesota, einer Gesetzesvorlage zuzustimmen, die schwerkranken Patienten die medizinische Verwendung von Cannabis mit einer √§rztlichen Empfehlung erlauben w√ľrde. Der Klerus von neun Glaubensgemeinschaften (Vereinigte Methodistenkirche, presbyterianische Kirche, Vereinigung f√ľr reformierten Judaismus, episkopale Kirche, vereinigte Kirche von Christus, sowie Klerus von katholischen, evangelisch-lutherischen und baptistischen Kongregrationen) unterst√ľtzte eine Stellungnahme, die lautet: "Lizenzierte √Ąrzte sollten nicht bestraft werden, wenn sie schwerkranken Patienten die medizinische Verwendung von Marihuana empfehlen, und schwerkranke Patienten sollten f√ľr die Verwendung von Marihuana nicht strafrechtlich verfolgt werden, wenn der Arzt des Patienten ihm mitgeteilt hat, dass eine solche Verwendung wahrscheinlich von Nutzen sein wird". (Quelle: MPP vom 12. Mai 2008)

Wissenschaft ‚ÄĒ Darmentz√ľndung

Tierexperimente zeigen, dass Cannabidiol, ein nicht psychotropes Cannabinoid, die verst√§rkte Bewegungst√§tigkeit des entz√ľndeten Darms reduziert. Die Forscher folgerten, dass "Cannabidiol ein guter Kandidat f√ľr die Normalisierung der Beweglichkeit bei Patienten mit entz√ľndlichen Darmerkrankungen sein k√∂nnte". (Quelle: Capasso R, et al. Br J Pharmacol, 12. Mai 2008 [elektronische Ver√∂ffentlichung vor dem Druck])

Wissenschaft ‚ÄĒ Angst

Fr√ľhere Forschung hat gezeigt, dass die Aktivierung des Cannabinoid-1-Rezeptors die Ausl√∂schung von konditionierter Furcht bei Tieren erleichtert. Neue Forschung best√§tigt diese Ergebnisse und zeigt, dass es langzeitige Wirkungen gibt. Dies k√∂nnte der Grund daf√ľr sein, warum Cannabisprodukte bei posttraumatischen Stressst√∂rungen n√ľtzlich sein k√∂nnen. (Quelle: Pamplona FA, et al. Neurobiol Learn Mem, 15. Mai 2008 [elektronische Ver√∂ffentlichung vor dem Druck])

Wissenschaft ‚ÄĒ Schmerzen

Acetaminophen (Paracetamol) ist das meist verwendete schmerzlindernde Medikament. Diese Wirkung werde durch die Blockierung des CB1-Rezeptors verhindert. Acetaminophen bindet nicht an den CB1-Rezeptor, jedoch ist sein Stoffwechselprodukt AM404 ein Wiederaufnahmehemmer von Endocannabinoiden, und verstärkt so ihre Wirkungen, und ein Agonist am Vanilloidrezeptor. (Quelle: Mallet C, et al. Pain, 14. Mai 2008 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Wissenschaft ‚ÄĒ Ultraviolett-induzierte Entz√ľndung

Wissenschaftler der Universit√§t von Minnesota zeigten, dass Ultraviolettstrahlung direkt Cannabinoidrezeptoren aktiviert. Die Abwesenheit von Cannabinoidrezeptoren bei M√§usen resultierte in einer dramatischen Resistenz gegen UVB-induzierte Entz√ľndungen und in einer Abnahme des UVB-induzierten Hautkrebses. (Quelle: Zheng D, et al. Cancer Res 2008;68(10):3992-8.)

Wissenschaft ‚ÄĒ Arteriosklerose

Wissenschaftler der nationalen Institute f√ľr Gesundheit in Baltimore (USA) fanden heraus, dass starke Cannabiskonsumenten einen erh√∂hten Blutspiegel von Apolipoprotein C-III aufweisen. Dieses Protein ist ein Risikofaktor f√ľr die Entwicklung einer Arteriosklerose. (Quelle: Jayanthi S, et al. Mol Psychiatry, 13. Mai 2008 [elektronische Ver√∂ffentlichung vor dem Druck])