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IACM-Informationen vom 23. Dezember 2006

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🌐 Schweiz — Parlament beschließt Möglichkeit von Ausnahmegenehmigungen fĂŒr de medizinische Anwendung von Cannabis

Entsprechend einem Vorschlag der Gesundheitskommission des Nationalrats vom 4. Mai 2006 hat der Nationalrat, das Schweizer Parlament, am 20. Dezember beschlossen, das Verbot der medizinischen Verwendung von natĂŒrlichen Cannabisprodukten zu lockern.

In dem Vorschlag der Gesundheitskommission heißt es: "Die Kommission schlĂ€gt vor, dass mit einer Ausnahmebewilligung des BAG [Bundesamt fĂŒr Gesundheit, Gesundheitsministerium] eine beschrĂ€nkte medizinische Anwendung von BetĂ€ubungsmitteln des Wirkungstyps Cannabis im Einzelfall neu ermöglicht werden soll. Gleichzeitig kann die Substanz dem Arzneimittelregime des schweizerischen Heilmittelinstituts unterstellt werden, sobald das entsprechende BetĂ€ubungsmittel als Wirkstoff in einem Arzneimittel eingesetzt wird, welches ĂŒber eine Zulassung des schweizerischen Heilmittelinstituts verfĂŒgt. Die Ärzte könnten dann dieses Arzneimittel fĂŒr die zugelassene Indikation verschreiben."

Parlamentarische Initiative zur Teilrevision des BetÀubungsmittelgesetzes vom 4. Mai 2006:

http://www.admin.ch/ch/d/ff/2006/8573.pdf

(Quelle: Sitzungsprotokoll des Nationalrates vom 20. Dezember 2006, Parlamentarische Initiative der Gesundheitskommission vom 4. Mai 2006)

đŸ·ïž Wissenschaft — Nabilon verbessert Schmerzen und andere Symptome bei Krebspatienten

Nach Forschungsergebnissen, die am 15. Dezember beim Brustkrebssymposium von San Antonio vorgestellt wurden, verbessert das synthetische Cannabinoid Nabilon Schmerzen, Übelkeit, Appetit, Angst und Depressionen bei Krebspatienten. Dr. Vincent Maida von der UniversitĂ€t Toronto und seine Kollegen haben im Nachhinein Daten aus Akten von Patienten, die zwischen dem 1. Mai 2005 du dem 30. Juni 2006 an einem speziellen medizinischen Palliativprogramm teilnahmen. Insgesamt wurden Daten von 139 Patienten ausgewertet, von denen 82 Nabilon erhalten hatten.

Die mittlere Beobachtungsdauer war in den beiden Gruppen Ă€hnlich (Nabilon: 53 Tage, Nicht-Nabilon: 52 Tage). Verglichen mit Teilnehmern, die kein Cannabinoid erhalten hatten, erlebten die Nabilon-Teilnehmer eine signifikante Reduzierung der Schmerzen. Benommenheit, MĂŒdigkeit, Appetit und Wohlbefinden blieben in der Nabilon-Gruppe stabil, aber verschlechterten sich in der Nicht-Nabilon-Gruppe. WĂ€hrend die Personen in der Nabilon-Gruppe eine signifikant grĂ¶ĂŸere Übelkeit zu Beginn der Behandlung aufwiesen, so erlebten sie eine signifikante Reduzierung dieses Symptoms, im Gegensatz zu den Nicht-Cannabinoid-Personen. Depressionen und Angst waren zu Beginn in der Nabilon-Gruppe signifikant hĂ€ufiger. Allerdings war die Abnahme beider Symptome bei Verwendung des Cannabinoids signifikant. Umgekehrt nahmen Angst und Depressionen in der Nicht-Cannabinoid-Gruppe zu. Nabilon schien auch wirksam bei der Verbesserung von Schlaflosigkeit, Nachtschweiß und Stress zu sein.

Die Forscher folgerten, dass trotz der Begrenzungen der Studie "Nabilon, wenn es zur Standardbehandlung hinzu gegeben und langzeitig eingenommen wird, eine signifikante Linderung mehrerer Symptome von Krebspatienten zu bieten scheint, darunter Schmerzen, Übelkeit, Depressionen und Angst, Schlaflosigkeit, Fieber-/Nachtschweiß und allgemeiner Stress."

Die Kurzfassung ist verfĂŒgbar unter:

http://www.abstracts2view.com/sabcs06/view.php?nu=SABCS06L_1211

sowie in der klinischen Studiendatenbank auf der IACM-Webseite:

http://www.cannabis-med.org/german/nav/home-science.htm

(Quelle: Maida V. The synthetic cannabinoid nabilone improves pain and symptom management in cancer patients. Abstract vom San Antonio Breast Cancer Symposium vom 15. Dezember 2006.)

Kurzmeldungen

đŸ·ïž Wissenschaft — Darmschmerzen

In einer Studie französischer Wissenschaftler fĂŒhrte die orale Gabe von Lactobacillus acidophilus, ein Bakterium, das sich ĂŒblicherweise in Joghurt findet, zu einer vermehrten Bildung von Opiat- und Cannabinoid-Rezeptoren in Darmzellen und vermittelte schmerzlindernde Funktionen im Darm, die den Wirkungen von Morphium Ă€hneln. Sie schlussfolgerten, dass diese Ergebnisse nahe legen, dass die Mikrobiologie des Darmtraktes unsere Wahrnehmung des Bauchraumes beeinflusst, und "neue Herangehensweisen fĂŒr die Behandlung von Bauchschmerzen und Reizdarmsyndrom nahe legen". (Quelle: Rousseaux C, et al. Nat Med, 10. Dezember 2006; [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

🌐 USA — Kalifornien

Der Kreis Merced wird damit beginnen, Ausweiskarten fĂŒr medizinische Cannabiskonsumenten auszustellen, nachdem ein staatlicher Richter jĂŒngst die RechtmĂ€ĂŸigkeit des kalifornischen medizinischen Cannabisgesetzes bestĂ€tigt hatte. Der Kreis hatte sich einer Klage der Kreise San Diego und San Bernardino angeschlossen, in dem sie den Staat von Kalifornien wegen der staatlichen Forderung, dass die Kreise Ausweiskarten fĂŒr medizinische Cannabiskonsumenten ausstellen sollten, verklagt hatten. Die Kreise San Diego und San Bernardino haben beschlossen, das Urteil anzufechten. (Quellen: Associated Press vom 12. Dezember 2006, Merced Sun-Star vom 16. Dezember 2006)

🌐 USA — Drogenkonsum durch Heranwachsende

Nach einem Bericht des Marihuana-Politikprojekts (MPP) haben die Cannabisgesetze fĂŒr Erwachsene keine Auswirkungen auf den Drogenkonsum durch Heranwachsende. Er zitiert unabhĂ€ngige Studien durch RAND Europa und den nationalen Forschungsrat der USA, die berichtet hatten, dass die Cannabisprohibition offenbar nur einen geringen oder keinen Einfluss auf die Konsumraten hat. Ein anderer Bericht von MPP sagt aus, dass der Wert der Cannabisproduktion in den USA mit einer geschĂ€tzten Produktion von 13,8 Milliarden US-Dollar (etwa 10,5 Milliarden EUR) in den Wert der Produktion jedes anderen Agrarproduktes ĂŒbersteigt. (Quelle: www.mpp.org)

đŸ·ïž Wissenschaft — Schmerzen

Italienische Forscher zeigten, dass die orale Gabe des nicht-psychoaktiven Cannabinoids Cannabidiol (CBD) an Ratten neuropathische und entzĂŒndliche Schmerzen reduzierte. (Quelle: Costa B, et al. Eur J Pharmacol, 10. November 2006; [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

đŸ·ïž Wissenschaft — Parkinson-Krankheit

Nach einer Übersicht von Wissenschaftlern der UniversitĂ€t Frankfurt besitzen Cannabinoide ein therapeutisches Potenzial bei der Parkinson-Krankheit. Sie könnten einige Symptome (Levodopa-induzierte Dyskinesie) lindern und wegen ihrer nervenschĂŒtzenden Eigenschaften das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. (Quelle: Lastres-Becker I, Fernandez-Ruiz J. Curr Med Chem. 2006;13(30):3705-18.)