Veröffentlicht
Zuletzt aktualisiert
Lesezeit

IACM-Informationen vom 22. November 2008

Authors

Wissenschaft — Warum Cannabisraucher ein geringeres Krebsrisiko als Tabakraucher aufweisen könnten

Elf Wissenschaftler aus den USA und Taiwan haben Daten aus der Grundlagenforschung zusammengefasst und die Ergebnisse einer epidemiologischen Studie von Sidney und Kollegen aus dem Jahr 1997 erneut untersucht. Ihre Untersuchung legt nahe, dass Cannabisrauch die HĂ€ufigkeit von Krebsarten, die mit Tabakrauch assoziiert sind, nicht erhöht oder sogar vermindert. Wenn Cannabisrauch auch höhere Konzentrationen an karzinogenen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAH) als im Tabakrauch aufweist, bedeutet dies nicht, dass Cannabisraucher ein höheres Krebsrisiko als Tabakraucher aufweisen, da die PAH-Konzentrationen von geringerer Bedeutung sind als der Einfluss von Substanzen auf die PAH-Aktivierung durch bestimmte Enzyme in der Leber. "Nicht ĂŒberraschend fĂŒhrte der Zusatz von Delta-9-THC zum Tabakteer zu einer deutlichen Reduzierung der karzinogenen AktivitĂ€t" in Experimenten mit Krebszellen, schrieben die Wissenschaftler in einem Artikel.

Es ist bekannt, dass Cannabisrauchen Krebsvorstufen des Epithels, wie sie auch bei Tabakrauchern auftreten, verursacht. Allerdings zeigen Studien, dass diese Vorstufen "einen kleinen, wenn ĂŒberhaupt einen Vorhersagewert besitzen", und diese SchĂ€digungen sind "im Allgemeinen reversibel und verschwinden oft wieder spontan". In Studien mit Affen "produzierte eine langzeitige Exposition mit Marihuanarauch keine karzinogenen Wirkungen".

In der Kohortenstudie von Sidney et al. (1997) mit etwa 65.000 Personen und einem mittleren Beobachtungszeitraum von 8,6 Jahren wiesen Tabakraucher ein signifikant höheres Risiko fĂŒr die Entwicklung von Lungenkrebs als Cannabisraucher auf. Zudem wiesen Cannabisraucher ein signifikant geringeres Lungenkrebsrisiko auf als Personen, die keinen Cannabis rauchten. In Reaktion auf das Argument, Sidney und Kollegen hĂ€tten die Teilnehmer ihrer Studie nicht lange genug begleitet, um ein vermehrtes Krebsvorkommen in der Cannabisgruppe finden zu können, stellten sie fest, dass "ĂŒberraschend genug der Beobachtungszeitraum ausreichend lang war, um 179 FĂ€lle von TBK [Tabak-bezogene Krebsarten] bei TR [Tabakraucher] festzustellen". Bei einem gleichen Krebsrisiko wie bei Nichtrauchern, wĂ€ren bei den Tabakrauchern nur 130 FĂ€lle zu erwarten gewesen. DemgegenĂŒber wurden nur drei FĂ€lle von Tabak-bezogenem Krebs bei den Cannabisrauchern beobachtet. Wenn die HĂ€ufigkeit von Tabak-assoziierten Krebsarten bei Cannabisrauchern der von Nichtrauchern entspricht, "dann wĂ€ren 16 FĂ€lle bei den MR [Marihuana-Rauchern] zu erwarten gewesen".

(Quelle: Chen AL, Chen TJ, Braverman ER, Acuri V, Kemer M, Varshavskiy M, Braverman D, Downs WB, Blum SH, Cassel K, Blum K. Hypothesizing that marijuana smokers are at a significantly lower risk of carcinogenicity relative to tobacco-non-marijuana smokers: evidenced based on statistical reevaluation of current literature. J Psychoactive Drugs 2008;40(3):263-72.)

Kurzmeldungen

USA — Neumexiko

Nach Angaben der Drug Policy Alliance gibt es etwa 200 medizinische Cannabiskonsumenten in Neumexiko, nachdem die medizinische Verwendung von Cannabis 2007 in diesem Staat legalisiert wurde. Allerdings haben die Patienten keinen Ort, an dem sie die Droge legal kaufen können. (Quelle: Daily Lobo vom 13. November 2008)

Wissenschaft — Tabak und THC

Nach Forschung an der UniversitĂ€t von Leiden (Niederlande) erhöhte das Mischen von Cannabis mit Tabak die THC-Menge, die pro Gramm Cannabis inhaliert wurde, von durchschnittlich 33 mg/g fĂŒr eine Zigarette, die nur Cannabis enthielt, auf 59 mg/g fĂŒr eine Zigarette, die 25 Prozent Cannabis und 75 Prozent Tabak enthielt. (Quelle: Van der Kooy F, et al. Inhal Toxicol, 14. Oktober 2008 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Der Besitz von geringen Cannabismengen fĂŒr den Eigenbedarf soll nach einer Änderung der Strafgesetzgebung durch das Unterhaus am 11. November wesentlich weniger streng bestraft werden als der von anderen Drogen. WĂ€hrend die Produktion und der Verkauf von Drogen mit GefĂ€ngnisstrafen von fĂŒnf bis 15 Jahren bestraft werden kann, ist es nach dem neuen Gesetz nur ein Vergehen, wenn jemand kleine Cannabismengen besitzt. Das Gesetz muss noch im Oberhaus diskutiert und vom PrĂ€sidenten unterzeichnet werden. (Quelle: Ceske noviny vom 11. November 2008)

Holland — BĂŒrgermeister

Eine Mehrheit der hollĂ€ndischen BĂŒrgermeister (54 von 88), die einen Coffee-Shop in ihrer Stadt haben, unterstĂŒtzen die Legalisierung der gesamten Cannabisproduktionskette. Sie wollen das VordertĂŒr-/HintertĂŒrproblem beenden, bei dem der Verkauf von Cannabis legal ist, der Anbau jedoch nicht. (Quelle: Psychonaut.com vom 19. November 2008)

Wissenschaft — Psychose

Nach britischen Wissenschaftlern vergrĂ¶ĂŸert die Verwendung von Cannabis Erlebnisse von Wahnvorstellungen und Halluzinationen bei Personen, die eine AnfĂ€lligkeit fĂŒr eine Psychose aufweisen. Ihre Befunde legen nahe, dass die Reaktion einer Person auf eine akute Cannabisverwendung ein Marker fĂŒr das Auftreten schĂ€dlicher psychischer Cannabiswirkungen sein könnte. (Quelle: Mason O, et al. Psychol Med, 19. November 2008 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Wissenschaft — CannabisabhĂ€ngigkeit

Eine Studie aus den USA mit 1923 Personen zeigt, dass bestimmte Varianten der DNA-Sequenz des Gens fĂŒr den Cannabinoid-1-Rezeptor mit einem erhöhten Risiko fĂŒr eine CannabisabhĂ€ngigkeit assoziiert sein könnten. (Quelle: Agrawal A, et al. Am J Med Genet B Neuropsychiatr Genet, 14. November 2008 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Wissenschaft — Schizophrenie

Nach Forschung an der psychiatrischen UniversitĂ€tsklinik ZĂŒrich (Schweiz) zu den GrĂŒnden fĂŒr einen Cannabiskonsum stellten Patienten mit Schizophrenie hĂ€ufiger als gesunde Kontrollpersonen fest, dass sie Cannabis verwendeten, um Langeweile zu bekĂ€mpfen und soziale Kontakte zu erleichtern. (Quelle: Schaub M, et al. Aust N Z J Psychiatry 2008;42(12):1060-5.)

Wissenschaft — Schmerzen

Wissenschaftler der UniversitÀt Bonn (Deutschland) zeigten, dass der CB2-Rezeptor auf Zellen des Immunsystems an der Entwicklung neuropathischer Schmerzen beteiligt ist. Der CB2-Rezeptor war wichtig bei der Modulierung der Aktivierung von Gliazellen in Reaktion auf eine Nervenverletzung. (Quelle: Racz I, et al. J Neurosci 2008;28(46):12125-35.)

Wissenschaft — Nahrungsaufnahme

Tierexperimentelle Forschung zeigt, dass CB2-Rezeptorliganden, also Substanzen, die an den CB2-Rezeptor binden, eine Rolle bei der Nahrungsaufnahme und dem Alkoholkonsum spielen könnten. (Quelle: Onaivi ES, et al. Ann N Y Acad Sci 2008;1139:426-33.)

Großbritannien — Umfrage zu illegalen Drogen

Nach einer Umfrage, die fĂŒr die Zeitungen Observer und Guardian durchgefĂŒhrten worden war, haben 27 Prozent der erwachsenen Briten illegale Drogen genommen und 87 Prozent von diesen haben Cannabis verwendet. 32 Prozent denken, dass die Drogengesetze in Großbritannien zu liberal sind, 50 Prozent denken, dass sie genau richtig sind und 18 Prozent glauben, dass sie nicht liberal genug sind. 27 Prozent der Befragten erklĂ€rten, dass bestimmte Drogen legalisiert oder entkriminalisiert werden sollten. Es wurden 1008 Erwachsene aus Großbritannien im Alter von 16 Jahren oder Ă€lter durch ICM-Research befragt. (Quelle: The Observer vom 16. November 2008)