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IACM-Informationen vom 22. Dezember 2007

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đŸ·ïž Wissenschaft — THC reduziert chronische Schmerzen bei Patienten mit unzureichender Schmerzlinderung durch Opioide

Nach einer Studie, die von Forschern der Harvard-UniversitĂ€t in Boston durchgefĂŒhrt wurde, reduzierte THC (Dronabinol) Schmerzen bei 30 Patienten, die Opioide gegen chronische Schmerzen einnahmen. Die Phase I dieser zweiphasigen Studie war eine doppelblinde Studie, in der die Teilnehmer einmalig zu drei verschiedenen Terminen entweder 10 mg oder 20 mg THC oder identische Plazebokapseln erhielten. Die Phase II war eine offene, individuell dosierte Studie mit THC als Zusatzmedikation bei Patienten mit stabilen Opiatsdosen.

Ergebnisse der Phase-I-Studie zeigten, dass Patienten, die THC erhielten, eine reduzierte SchmerzintensitĂ€t im Vergleich mit dem Plazebo erlebten. Es wurden keine Unterschiede im Nutzen zwischen den beiden THC-Dosen gefunden. In der Phase-II-Studie trug titriertes THC signifikant zur Schmerzlinderung bei und erhöhte verglichen mit dem Ausgangswert die Zufriedenheit. Die HĂ€ufigkeit der Nebenwirkungen war dosisabhĂ€ngig. Insgesamt fĂŒhrte die Verwendung von THC zu einer zusĂ€tzlichen Schmerzlinderung bei Patienten, die Opioide gegen chronische Schmerzen einnahmen.

(Quelle: Narang S, Gibson D, Wasan AD, Ross EL, Michna E, Nedeljkovic SS, Jamison RN. Efficacy of Dronabinol as an Adjuvant Treatment for Chronic Pain Patients on Opioid Therapy. J Pain, 12. Dezember 2007 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

🌐 Großbritannien — Zulassungsbehörde fĂŒr Medikamente veröffentlicht einen Informationsbericht zu Sativex

Am 13. Dezember hat die Regulierungsbehörde fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (MHRA, Medicines and Healthcare products Regulatory Agency) einen öffentlichen Informationsbericht zu Sativex, einen Cannabisextrakt des britischen Unternehmens GW Pharmaceuticals, der in Kanada fĂŒr medizinische Zwecke zugelassen ist, veröffentlicht. Die MHRA hat diesen unerwarteten Schritt wegen des ihrer Ansicht nach "großen öffentlichen Interesses" an Sativex und der Tatsache, dass etwa 1200 Patienten in Großbritannien das Medikament auf einer Basis der namentlichen Nennung des Patienten verschrieben bekommen haben, getan.

Der Bericht folgert, dass das Sicherheitsprofil von Sativex fĂŒr die vorgeschlagene Patientenpopulation und Indikation im Prinzip als akzeptabel betrachtet wird, unter der Maßgabe, dass eine ausreichende Wirksamkeit nachgewiesen wird. GW Pharmaceuticals fĂŒhrt zur Zeit eine klinische Studie durch, die die verbliebenen Fragen zur Wirksamkeit ihres Extrakts klĂ€ren soll. Der Bericht des MHRA beinhaltet eine gemeinsame Stellungnahme einer Gruppe unabhĂ€ngiger Experten. Sie fassen zusammen: "Wir folgern, dass Sativex einen bisher unerfĂŒllten medizinischen Bedarf bei Patienten befriedigt, bei denen keine andere konservative Behandlungsoption besteht. Es ist unsere Auffassung, dass Sativex zugelassen und fĂŒr Patienten mit Spastik wegen multipler Sklerose auf Rezept verfĂŒgbar gemacht werden sollte, und wir drĂ€ngen die MHRA, das zu tun."

Der Bericht ist auf der Webseite der MHRA verfĂŒgbar:

http://www.mhra.gov.uk/home/idcplg?IdcService=GET_FILE&dID=38433&noSaveAs=0&Rendition=WEB

(Quellen: Pressemitteilung von GW Pharmaceuticals vom 13. Dezember 2007, Bericht der MHRA zu Sativex vom 13. Dezember 2007)

đŸ·ïž Wissenschaft — Qualitativ Ă€hnliche Zusammensetzung von Cannabis- und Tabakrauch

Kanadische Forscher untersuchten die chemische Zusammensetzung von Cannabis- und Tabakrauch. Das Rauchen der Cannabis- und Tabakzigaretten, die etwa 800 mg wogen, erfolgte mit Rauchmaschinen. Die Ergebnisse zeigten qualitative Ähnlichkeiten mit einigen quantitativen Unterschieden. Es fanden sich also im Rauch weitgehend die gleichen Substanzen, wenn auch zum Teil in unterschiedlichen Konzentrationen. Bei einem normalen Tabakrauchrhythmus enthielt der Rauch einer Tabak- und Cannabiszigarette ungefĂ€hr 40 mg Teer. Wurde ein stĂ€rkeres Inhalieren wie beim ĂŒblichen Cannabisrauchen simuliert, so vergrĂ¶ĂŸerte sich die Teermenge pro Zigarette auf 80 bis 100 mg. Die Menge der aufgenommenen Schadstoffe war also weniger vom gerauchten Material als von der Art des Rauchens abhĂ€ngig. Die Ergebnisse stimmen mit frĂŒherer Forschung ĂŒberein.

Bei gleicher Art und Weise des Rauchens, wurde Ammoniak im Cannabisrauch in einer etwa 20-mal so hohen Konzentration wie im Tabakrauch gefunden, was nach Ansicht der Autoren auf einem höheren Nitratanteil im Cannabis durch eine entsprechende DĂŒngung beruhen könnte. BlausĂ€ure wurde im Cannabisrauch in einer etwa 2,5 mal so hohen, Stickstoffmonooxid in einer etwa 4-mal und einige aromatische Amine in 3- bis 5-mal so hohen Konzentrationen wie im Tabakrauch gefunden. Tabakspezifische Nitrosamine wurden im Cannabisrauch nicht festgestellt. Die Konzentrationen an Quecksilber, Kadmium, Blei und Arsen sowie niedrigmolekularer Carbonyl-Verbindungen (Formaldehyd, Azetaldehyd, etc.) wurden im Cannabisrauch im Vergleich zum Tabakrauch in deutlich niedrigeren Konzentrationen gefunden. Cannabisrauch enthielt auch etwas geringere Konzentrationen an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen.

Die Studie ist verfĂŒgbar unter:

http://pubs.acs.org/cgi-bin/sample.cgi/crtoec/asap/pdf/tx700275p.pdf

(Quelle: Moir D, Rickert WS, Levasseur G, Larose Y, Maertens R, White P, Desjardins S. A Comparison of Mainstream and Sidestream Marijuana and Tobacco Cigarette Smoke Produced under Two Machine Smoking Conditions. Chem Res Toxicol, 7. Dezember 2007 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Kurzmeldungen

đŸ·ïž Wissenschaft — Dickdarmkrebs

Es ist bekannt, dass THC und andere Cannabinoide das Überleben von Krebszellen im Dickdarm reduzieren. In einem Brief an das Intermational Journal of Cancer warnen britische Forscher davor, dass die langzeitige Verwendung von Cannabinoidrezeptorantagonisten das Risiko fĂŒr Dickdarmkrebs erhöhen könnte. Der Cannabinoidrezeptorantagonist Rimonabant wird in Europa gegen Übergewicht eingesetzt. Das Risiko fĂŒr die Entwicklung dieser Krebsart ist bei Übergewicht bereits erhöht, und dieses Risiko könnte durch Rimonabant weiter erhöht werden. (Quelle: Wright KL, et al. Int J Cancer, 12. Dezember 2007 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])