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IACM-Informationen vom 18. August 2018

Wissenschaft/Mensch: Gesetze zu medizinischem Cannabis in den USA sind mit einer verbesserten Arbeitsplatzsicherheit verbunden

In einer großen Studie zeigten Wissenschaftler, dass die Legalisierung der medizinischen Verwendung von Cannabis die Arbeitssicherheit für Arbeiter im Alter zwischen 25 und 44 Jahren verbesserte. Untersucher der Abteilung für Landwirtschaftsökonomie und Ökonomie der staatlichen Universität von Montana in Bozeman (USA) analysierten Daten aller 50 US-Staaten und des Distrikts von Columbia für den Zeitraum 1992 bis 2015.

Die Autoren schrieben: „Die Legalisierung von medizinischem Marihuana war bei Arbeitern im Alter zwischen 25 und 44 Jahren (...) mit einer Reduzierung der Zahl der erwarteten tödlichen Arbeitsunfälleum 19,5 % verbunden. Die Beziehung zwischen der Legalisierung von medizinischem Marihuana und tödlichen Arbeitsunfällen bei Arbeitern im Alter zwischen 16 und 24 Jahren war, obwohl negativ, auf einem üblichen Niveau nicht statistisch signifikant. Die Beziehung zwischen der Legalisierung von medizinischem Marihuana und tödlichen Arbeitsunfällen wurde mit der Zeit stärker. Fünf Jahre nach Inkrafttreten waren medizinische Marihuana-Gesetze mit einer Reduzierung der erwarteten Zahl von tödlichen Arbeitsunfällen um 33,7 % verbunden.“

Anderson DM, Rees DI, Tekin E. Medical marijuana laws and workplace fatalities in the United States. Int J Drug Policy. 2018;60:33-39.

Wissenschaft/Mensch: Das Risiko für die Entwicklung einer Abhängigkeit bei starken Cannabiskonsumenten nahm in den vergangenen 15 Jahren in den USA ab

Das Risiko für die Ausbildung einer Abhängigkeit bei starken Cannabiskonsumenten scheint zwischen 2002 und 2016 abgenommen zu haben. Dies ist das wichtigste Ergebnis einer Studie, die von Forschern der RAND Pardee Graduate School in Santa Monica (USA) in der Zeitschrift Drug and Alcohol Dependence veröffentlicht wurde. Sie verwendeten Daten, die durch die Nationale Umfrage zu Drogenkonsum und Gesundheit (2002 bis 2016) gesammelt wurden. Die selbst angegebene Häufigkeit der Abhängigkeit und bestimmende Symptome wurden für starke Cannabiskonsumenten berechnet.

Die Abhängigkeit unter starken Cannabiskonsumenten nahm um 39 % ab. Unter den Abhängigkeitssymptomen zeigten die meisten eine signifikante Abnahme: Die Reduzierung wichtiger Aktivitäten; ein Konsum trotz emotionaler, mentaler oder körperlicher Probleme; vergebliche Versuche, den Konsum zu reduzieren; viel Zeit, um Marihuana zu bekommen, zu konsumieren oder darüber hinwegzukommen; sowie vergebliche Versuche, selbst gesetzte Grenzen des Konsums einzuhalten. Angaben über die Toleranz ergaben keine signifikante Veränderung. Die Autoren folgerten: „obwohl es unklar ist warum, scheint das Risiko für eine Abhängigkeitsentwicklung unter starken Marihuanakonsumenten seit 2002 abgenommen zu haben“.

Davenport S. Falling rates of marijuana dependence among heavy users. Drug Alcohol Depend. 2018;191:52-55.

Wissenschaft/Mensch: Patienten mit Schlafstörungen erleben durch die Verwendung von Cannabis einen verbesserten Schlaf

Die Verwendung von Cannabisblüten bei 409 Menschen mit einer spezifizierten Schlafstörung führte zu signifikanten Verbesserungen ihres Schlafes. Der Umfang der therapeutischen Wirkungen hing von der Cannabissorte ab. Dies sind die Ergebnisse von Forschung, die am Institut für Psychologie der Universität von Neumexiko in Albuquerque (USA) durchgeführt wurde. Die Patienten führten 1056 Sitzungen einer Einnahme von medizinischem Cannabis durch, während der sie die selbst wahrgenommene Schwere der Schlaflosigkeit vor und nach dem Konsum beurteilten.

Die Teilnehmer zeigten eine durchschnittliche Reduzierung der Symptomschwere um -4,5 Punkte auf einer visuellen Analogskala von 0 bis 10. Die Verwendung von Pfeifen und Verdampfern war im Vergleich mit der

Vigil JM, Stith SS, Diviant JP, Brockelman F, Keeling K, Hall B. Effectiveness of Raw, Natural Medical Cannabis Flower for Treating Insomnia under Naturalistic Conditions. Medicines (Basel). 2018;5(3).

Wissenschaft/Mensch: Eine große Studie mit CBD bei Patienten mit Epilepsie zeigt eine gute langzeitige Sicherheit der Medikation

In einer offenen Studie mit 72 Kindern und 60 Erwachsenen mit verschiedenen behandlungsresistenten Epilepsieformen nahmen Nebenwirkungen über die Zeit ab. Wissenschaftler der Klinik für Neurologie der Universität von Alabama in Birmingham (USA) schrieben, dass ihre prospektive, offene Studie zur Sicherheit von CBD bei behandlungsresistenter Epilepsie „Hinweise für signifikante Verbesserungen des Nebenwirkungsprofils, des CSSS [Chalfont Seizure Severity Scale] und der Anfallshäufigkeit nach 12 Wochen liefert, die über die 48-wöchige Dauer der Behandlung erhalten blieb“.

Die Patienten begannen mit einer Dosis von 5 mg/kg pro Tag, die bis zu einer maximalen Dosis von 50 mg/kg pro Tag auftitriert wurde. Die Daten wurden für die Aufnahme in die Studie sowie Besuche nach 12, 24 und 48 Wochen analysiert. Bei allen Teilnehmern nahmen Nebenwirkungen zwischen dem Beginn der Studie und der Visite nach 12 Wochen ab, mit stabilen Werten danach. Die Anfallshäufigkeit in einem Zeitraum von 2 Wochen nahm von einem Mittelwert von 144,4 beim Beginn auf 52,2 nach 2 Wochen ab und blieb danach stabil.

Szaflarski JP, Bebin EM, Cutter G, DeWolfe J, Dure LS, Gaston TE, Kankirawatana P, Liu Y, Singh R, Standaert DG, Thomas AE, Ver Hoef LW; UAB CBD Program. Cannabidiol improves frequency and severity of seizures and reduces adverse events in an open-label add-on prospective study. Epilepsy Behav, 9. August 2018 [im Druck]

Kurzmeldungen

Wissenschaft/Mensch: Israelische Schmerztherapeuten betrachten Cannabis als eine wirksame Behandlung für chronische Schmerzen
Nach einer Umfrage mit 79 registrierten aktiven Schmerzspezialisten in Israel, die Erfahrung „bei der Verschreibung von Cannabis über einen längeren Zeitraum hatten, betrachten sie es als eine wirksame und relativ sichere Behandlung für chronische Schmerzen, basierend auf ihrer eigenen Erfahrung“. Die Autoren stellten fest, dass ihre „Antworten einen möglichen Paradigmenwechsel von der Verwendung von Cannabis als letzte Möglichkeit nahelegen“. Nahezu alle Schmerzspezialisten verschrieben Cannabis. Von diesen finden 63 % Cannabis mäßig stark bis sehr wirksam, 56 % haben leichte oder keine Nebenwirkungen beobachtet, und nur 5 % betrachten es als signifikant schädlich.
Institut für Schmerzmedizin, Tel Aviv Sourasky Medizinzentrum, Israel.
Sharon H, et al. J Pain Res. 2018;11:1411-1419.

Wissenschaft/Mensch: Cannabinoide könnten hilfreich beim Glioblastom sein
Zu den natürlichen Produkten, die tumorhemmende Wirkungen beim Glioblastom (GBM), einem aggressiven Hirntumor, haben könnten, zählen Cannabinoide, Terpene und Curcumin, da nach Auffassung der Autoren „viele eine signifikante Wirkung bei der Reduzierung des Fortschreitens des GBM durch bekannte Mechanismen gezeigt haben“.
Fakultät für Wissenschaften, Universidad Austral de Chile, Valdivia, Chile.
Erices JI, et al. Phytother Res, 15. August 2018 [im Druck].

Wissenschaft/Mensch: CBD wirksam bei Kindern mit Epilepsie
Forscher analysierten die Erfahrungen mit den ersten 40 Kindern, die in das Compassionate Access Scheme von Neusüdwales (Australien) für Kinder mit therapieresistenter Epilepsie aufgenommen worden waren. Die Autoren schrieben, dass „Betreuer von 12 Kindern den Eindruck hatten, dass die allgemeine Gesundheit ihrer Kinder viel oder sehr viel gebessert war; Ärzte beurteilten 7 Kinder als viel oder sehr viel gebessert“.
Kinderkrankenhaus-Netzwerk Sydney, Australien.
Chen KA, et al. Med J Aust, 13. August 2018 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Ergebnisse einer Umfrage unter australischen Patienten, die sich selbst mit Cannabis behandeln
Die meisten der 1748 Teilnehmer in einer Umfrage, die in Australien durchgeführt wurde, waren Männer (68,1 %) und berufstätig (56,6 %) mit einem Durchschnittsalter von 37,9 Jahren und einer durchschnittlichen Dauer der medizinischen Cannabisanwendung von 9,8 Jahren. Die häufigsten Gründe für die medizinische Cannabisanwendung waren Angst (50,7 %), Rückenschmerzen (50,0 %), Depressionen (49,3 %) und Schlafstörungen (43,5 %).
Universität von Sydney, Australien.
Lintzeris N, et al. Med J Aust, 13. August 2018 [im Druck]

Wissenschaft/Tier: Die Verwendung von CBD bei Hunden mit Arthritis war wirksam und sicher
In einer Placebo-kontrollierten Studie mit 22 Hunden, die an einer Osteoarthritis litten, erhöhte CBD in einer Dosis von 2 mg/kg zweimal täglich das Befinden und die Aktivität der Tiere. Es wurden von den Besitzern keine Nebenwirkungen berichtet. Jede Behandlung dauerte 4 Wochen mit einer 2-wöchigen Auswaschphase.
Klinik für Veterinärmedizin, Cornell Universität, Ithaca, USA.
Gamble LJ, et al. Front Vet Sci. 2018;5:165.

Wissenschaft/Tier: Keine negative Wirkung von THC auf den männlichen Fortpflanzungsprozess
In einer Studie mit männlichen Mäusen, die über einen Zeitraum von 30 Tagen täglich 10 mg THC pro kg Körpergewicht erhielten, gab es im Vergleich zu einer unbehandelten Kontrollgruppe keine Hinweise auf schädliche Wirkungen auf die Fortpflanzung, darunter kein Einfluss auf das Gewicht der Hoden, die Beweglichkeit der Spermien und deren Konzentration. Die Autoren folgerten, dass ihre „Arbeit der Annahme widerspricht, dass THC-Konsum eine negative Wirkung auf den männlichen Fortpflanzungsprozess hat“.
Institut für Tierreproduktion, INIA, Madrid, Spanien.
López-Cardona AP, et al. Biochem Pharmacol, 3. August 2018 [im Druck]

Wissenschaft/Tier: Cannabidiol und Cannabidivarin könnten hilfreich bei Muskeldystrophie sein
In Muskelzellen von Patienten mit der Muskeldystrophie Duchenne förderten einige Cannabinoide (CBD, CBDV) die Bildung von Myotubuli, sich entwickelnden Skelettmuskelfasern. In einem Mausmodell für Muskeldystrophie verhinderten diese Cannabinoide den Verlust der Bewegungsaktivität. Die Autoren schrieben, dass ihre Forschung zur Verhinderung von Muskeldegeneration bei Patienten mit Muskeldystrophie Duchenne führen könnte.
Endocannabinoid-Forschungsgruppe, Nationaler Forschungsrat, Pozzuoli, Italien.
Iannotti FA, et al. Br J Pharmacol, 3. August 2018 [im Druck]

Wissenschaft/Tier: Das Endocannabinoidsystem ist an der Aufrechterhaltung der Homöostase im Darm beteiligt
Der Einstrom bestimmter weißer Blutkörperchen (neutrophile Granulozyten) in das Darmlumen ist bei entzündlichen Darmerkrankungen mit schweren Schäden an der Schleimhaut verbunden. Die Aktivierung des CB2-Rezeptors ist daran beteiligt, diesen Einstrom zu hemmen und die Homöostase im gesunden Darm aufrecht zu erhalten.
Medizinische Fakultät der Universität von Massachusetts, Worcester, USA.
Szabady RL, et al. J Clin Invest, 13. August 2018 [Im Druck]

Wissenschaft/Tier: Endocannabinoide können das Gedächtnis verbessern, trotz Alkoholexposition
Nach einer Studie mit Ratten könnte die Erhöhung von Endocannabinoidkonzentrationen durch eine Blockade von FAAH (Fettsäurehydrolase) mit einem verbesserten Gedächtnis trotz Äthanolexposition assoziiert sein.
Universitätskrankenhaus von Malaga, Spanien.
Rivera P, et al. Biochem Pharmacol, 8. August 2018 [im Druck]

Wissenschaft/Tier: Eine gestörte Funktion des CB1-Rezeptors verschärft Alzheimer-ähnliche Symptome bei Mäusen
Gemäß Tierforschung könnte eine Fehlfunktion des CB1-Rezeptors “zur Beschleunigung der beobachteten Gedächtnisbeeinträchtigung führen”. Die Autoren schrieben, dass ihre Forschung eine wesentliche Rolle für den CB1-Rezeptor und das Fortschreiten von Alzheimer-bezogenen pathologischen Ereignissen nahelege.
Universität von Barcelona IDIBELL, Krankenhaus von Llobregatt, Spanien.
Aso E, et al. Biochem Pharmacol, 7. August 2018 [im Druck]

Wissenschaft/Tier: Die Blockade des CB2-Rezeptors reduziert Nierenfibrose
In Tiermodellen für Nierenfibrose verbesserte eine synthetische Substanz (XL-001), die an den CB2-Rezeptor anbindet und als inverser Agonist wirkt, die Nierenfibrose und -entzündung. Die Autoren schrieben, dass dieser neuartige inverse Agonist „eine Strategie im Kampf gegen fibrotische Nierenkrankheiten darstellen könnte“.
Nationales klinisches Forschungszentrum für Nierenerkrankungen, Abteilung für Nephrologie, Nanfang-Krankenhaus, Südliche Medizinische Universität, Guangzhou, China.
Zhou L, et al. Kidney Int, 6. August 2018 [im Druck]

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