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IACM-Informationen vom 11. Juni 2016

USA: Ohio ist der 25. Staat, der die medizinische Verwendung von Cannabis legalisiert

Gouverneur John Kasich unterzeichnete am 8. Juni das medizinische Cannabisgesetz von Ohio und machte es damit zum 25. US-Staat (26, wenn man Washington DC mitzählt), der irgendeine Art des medizinischen Cannabiskonsums legalisiert. Das Gesetz von Ohio ist restriktiver als medizinische Cannabisgesetze in vielen anderen Staaten. Es erlaubt Patienten nicht, Cannabis zu rauchen, sondern sie müssen es oral durch essbare Produkte oder mittels eines Verdampfers verwenden. Weiter erlaubt es Patienten nicht, ihr eigenes Cannabis anzubauen und es darf nur bei einer Hand voll Erkrankungen verwendet werden, darunter Epilepsie, chronische Schmerzen und Krebs.

Unterstützer für die Verwendung von Cannabis als Medizin hatten eine Kampagne gestartet, um die Wähler im Herbst über ein breiter angelegtes medizinisches Gesetz abstimmen zu lassen. Aber das Gesetz, das nun vom Parlament verabschiedet und vom Gouverneur unterzeichnet wurde, war mit der Absicht eingebracht worden zu verhindern, dass die Bevölkerung über ein weiter gefasstes Gesetz abstimmt. Und das scheint erfolgreich gewesen zu sein: die Gruppe, die diese Wählerinitiative ins Leben gerufen hatte, hat die Kampagne nun beendet. Dieses Jahr war ein symbolisch wichtiges Jahr für die Politik zu medizinischem Cannabis: mit der Verabschiedung von Gesetzen in Pennsylvania und Ohio haben nahezu 175 Millionen Amerikaner – über die Hälfte der Bevölkerung – Zugang zu medizinischem Cannabis.

Washington Post vom 9. Juni 2016

Wissenschaft/Israel: Die meisten Patienten, die Cannabis verwenden, profitieren von der Droge

Die erste Studie zu den Charakteristika von Patienten, die eine Erlaubnis des Gesundheitsministeriums zur Behandlung mit medizinischem Cannabis besitzen, wurde am 25. Mai bei der sechsten internationalen Konferenz von Jerusalem zur Gesundheitspolitik vorgestellt. Die Studie wurde von Professor Pesach Shvartzman von der Ben-Gurion Universität des Negev geleitet. Sie wurde durchgeführt, um neue Patienten, die die Substanz 2 Jahre lang einnehmen würden, zu begleiten. Die Patienten wurden an drei Schmerzkliniken untersucht und telefonisch während der ersten drei Monate ihrer Behandlung und dann zwei Jahre lang alle vier Monate befragt.

Es wurden 371 Patienten ohne Krebs und 78 Krebspatienten in die Studie eingeschlossen. Das mittlere Alter der Patienten ohne Krebs war 50,1 Jahre und der Krebspatienten 57,5 Jahre. 99,6 % beantragten eine Cannabisbehandlung, nachdem Standardtherapien nicht wirksam waren. Nahezu 56 % erklärten, dass sie eine Cannabisbehandlung wollten, weil frühere Medikamente Nebenwirkungen verursachten. Dreiviertel der Patienten rauchten das Cannabis, während nahezu 21 % ölige Konzentrate verwendeten und der Rest Cannabis verdampfte. Die meisten Nutzer berichteten, dass sich ihre Schmerzen, ihre Übelkeit, Angst, Appetit und Allgemeinbefinden verbessert hatten. Weniger als einer von 10 beendete aufgrund von Nebenwirkungen oder wegen fehlender Wirksamkeit die Therapie nach der ersten Befragung und 6 % nach der zweiten Befragung die Teilnahme an der Studie.

Jerusalem Post vom 26. Mai 2016

Wissenschaft/Mensch: Cannabiskonsum von Erwachsenen war nicht mit relevanten körperlichen Gesundheitsproblemen assoziiert

Mit Ausnahme eines erhöhten Risikos für Parodontitis waren Menschen, die mehr als 20 Jahre lang im Erwachsenenalter Cannabis konsumierten, nach einer neuen Studie im Allgemeinen so gesund wie Menschen, die es nicht taten. „Die einzige Messgröße, die ein ernsthaftes gesundheitliches Problem zeigte, war eine periodontale Erkrankung“, erklärte der Hauptautor Terrie Moffitt von der Duke-Universität in Durham, USA.

Für die neue Studie untersuchten Forscher 1037 Menschen, die zwischen 1972 und 1973 in Neuseeland geboren waren. Die Teilnehmer wurden vom 3. Lebensjahr bis zum 38. Lebensjahr begleitet. Insgesamt gaben nach den Ergebnissen, die in JAMA Psychiatry veröffentlicht wurden, 65 % an, irgendwann nach dem 18. Lebensjahr mindestens einmal Cannabis konsumiert zu haben. Die Forscher fanden keinen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum im Erwachsenenalter und schlechter körperlicher Gesundheit für eine Anzahl von Erkrankungen, darunter Lungenfunktion, systemische Entzündung, Stoffwechselgesundheit, Blutdruck und Body Mass Index (BMI), eine Maßzahl des Gewichts in Beziehung zur Körpergröße.

Meier MH, Caspi A, Cerdá M, Hancox RJ, Harrington H, Houts R, Poulton R, Ramrakha S, Thomson WM, Moffitt TE. Associations Between Cannabis Use and Physical Health Problems in Early Midlife: A Longitudinal Comparison of Persistent Cannabis vs Tobacco Users. JAMA Psychiatry, 1. Juni 2016 [im Druck]

Reuters vom 1. Juni 2016

Kurzmeldungen

Wissenschaft/Mensch: Viele Patienten mit ADHS behandeln sich nach einer Internet-Recherche selbst erfolgreich mit Cannabis
Nach einer intensiven Recherche in Internet-Foren betrachten viele Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) Cannabis bei ihrer Erkrankung als therapeutisch.
Medizinzentrum der Duke-Universität, Durham, USA.
Mitchell JT, et al. PLoS One 2016;11(5):e0156614.

Wissenschaft/USA: Die meisten Kinderonkologen unterstützen den Zugang zu medizinischem Cannabis
Nach einer Umfrage unterstützen die meisten Schwestern und Ärzte in der Kinderonkologie den Zugang zu einer Cannabisbehandlung für Patienten. Die Ergebnisse wurden beim jährlichen Kongress der Amerikanischen Gesellschaft für Klinische Onkologie des Jahres 2016 vorgestellt. Untersucher verschiedener US-Krebsbehandlungszentren befragten 654 in der Kinderonkologie tätige Personen, darunter Ärzte und Schwestern, an drei Krebszentren in Illinois, Massachusetts und Washington. Über 300 Befragte (46 %) füllten den Fragebogen vollständig aus. Von diesen erklärten 92 %, dass sie „willens seien, pädiatrischen Krebspatienten bei einem Zugang zu medizinischem Marihuana zu helfen“, und etwas mehr als ein Drittel (34 %) erklärte, dass eine Cannabistherapie „angemessen in den frühen Stadien der Krebsbehandlung ist“.
Ananth PJ, et al. J Clin Oncol 2016;34 (suppl; abstr 10581)

Wissenschaft/Mensch: THC ist nicht mit einem Fortschreiten der Leberfibrose bei Patienten mit HIV und HCV verbunden
Unter 575 Frauen, die mit dem HIV und dem HCV (Hepatitis C-Virus) infiziert waren, war THC nicht mit dem Fortschreiten zu einer signifikanten Leberzirrhose verbunden. Alkoholkonsum war mit einer Leberfibrose assoziiert.
Universität von Kalifornien in San Francisco, USA.
Kelly EM, et al. Clin Infect Dis, 25. Mai 2016 [im Druck]

Wissenschaft/Tier: Opioide und Cannabinoide wirken bei neuropathischen Schmerzen synergistisch
In einer Studie mit Mäusen reduzierte eine Kombination aus Opioiden und Cannabinoiden synergistisch die durch eine Nervenverletzung induzierte Allodynie (eine bestimmte Form neuropathischer Schmerzen).
Universität von Sydney am Royal North Shore Krankenhaus, Australien.
Kazantzis NP, et al. Br J Pharmacol, 9. Juni 2016 [Im Druck]

Wissenschaft/Tier: CBD könnte die Wirksamkeit des Chemotherapeutikums Doxorubicin verstärken
In Studien mit Mäusen erhöhte die Aktivierung des TRPV2 (Vanilloid-Rezeptor Typ 2) durch CBD signifikant die Aufnahme und Apoptose (programmierter Zelltod) bei dreifach negativen Brustkrebszellen.
Wexner Medizinzentrum, Staatliche Universität von Ohio, USA.
Elbaz M, et al. Oncotarget, 27. Mai 2016 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Cannabiskonsumstörungen haben unter Jugendlichen in den USA abgenommen
Die Häufigkeit von Cannabiskonsumstörungen unter Heranwachsenden in den USA im Vorjahr hat um geschätzte 24 % im Zeitraum zwischen 2002 und 2013 abgenommen.
Medizinische Fakultät, Universität von Washington, St. Louis, USA.
Grucza RA, et al. J Am Acad Child Adolesc Psychiatry 2016;55(6):487-494.e6.

Wissenschaft/Mensch: Palmitoylethanolamid war in einer klinischen Studie nicht wirksam gegen neuropathische Schmerzen
In einer placebokontrollierten Parallelgruppenstudie mit 68 Patienten, die nach einer Querschnittslähmung unter neuropathischen Schmerzen litten, war das Endocannabinoid Palmitoylethanolamid (PEA) nicht wirksam bei der Reduzierung von Schmerzen und der Spastik.
Zentrum für Querschnittslähmung von West-Dänemark, Viborg, Dänemark.
Andresen SR, et al. Pain, 25. Mai 2016 [im Druck]

Wissenschaft/Holland: Der legale Cannabisanbau kann Menschenrechte schützen
Die Legalisierung des Anbaus und des Handels mit Cannabis verhindert Verbrechen wie Mord und Körperverletzung oder Unfälle durch eine schlechte Qualität. Diese Menschenrechte wiegen schwerer als die UN-Drogenkonventionen, die den Anbau und den Handel mit Cannabis verbieten. Dies ist die Schlussfolgerung einer Studie, die in 27 großen Gemeinden durchgeführt und von Piet Hein van Kempen, Professor für Kriminologie der Radboud-Universität in Nijmegen, geleitet worden war.
Volkskrant vom 30. Mai 2016

Wissenschaft/Tier: Die Aktivierung des CB2-Rezeptors verbessert die Wundheilung
In einer Studie mit Mäusen verbesserte die Aktivierung des CB2-Rezeptors die Wundheilung durch eine Reduzierung der Entzündung, eine Beschleunigung der Epithelisierung und eine Abschwächung der Narbenbildung. Die Autoren schrieben, dass „CB2-Rezeptor-Agonisten eine neue Perspektive für die Therapie von Hautwunden darstellen“.
Chinesische medizinische Universität für forensische Medizin, Shenyang, China.
Wang LL, et al. EUR J Pharmacol, 3. Juni 2016 [im Druck]

Wissenschaft/Zellen: CBD könnte eine Epilepsie durch seine Wirkung auf bestimmte Zellmembran-Kanäle lindern
Zellstudien legen nahe, dass Cannabidiol (CBD) seine krampflösenden Wirkungen zumindest zum Teil durch seine Wirkungen auf bestimmte Zellmembran-Kanäle (spannungsaktivierte Natriumkanäle) ausübt, und ein wiederhergestellter Fluss könnte ein therapeutischer Angriffspunkt für die Behandlung von Epilepsie-Erkrankungen sein.
Forschungsgebäude für Neurowissenschaften, Indianapolis, USA.
Patel RR, et al. Brain, 5. Juni 2016 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Cannabiskonsum war nicht mit signifikanten unerwünschten Ergebnissen bei einer Schwangerschaft verbunden
In einer Studie mit 12.069 Schwangeren war Cannabiskonsum allein nicht mit signifikanten unerwünschten Ergebnissen vor, während und nach der Geburt verbunden, inklusive Frühgeburten und Geburtsgewicht.
Baylor College für Medizin, Houston, USA.
Chabarria KC, et al. Am J Obstet Gynecol, 2. Juni 2016 [im Druck]

Wissenschaft/Tier: Die Aktivierung des CB2-Rezeptors reduziert Übelkeit und Erbrechen
In einer Studie mit Spitzmäusen (Suncus murinus) reduzierte die Aktivierung des CB2-Rezeptors Übelkeit und Erbrechen.
Universität von Guelph, Kanada.
Rock EM, et al. EUR J Pharmacol, 2. Juni 2016 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Unterschiede zwischen medizinischen Cannabisnutzern und Freizeitkonsumenten
In einer Studie, die Daten von der Nationalen Umfrage zu Drogenkonsum und Gesundheit der USA des Jahres 2013 verwendete, wiesen Erwachsene, die Cannabis zu medizinischen oder Freizeitzwecken verwendeten, einige Gemeinsamkeiten auf, aber die, die es zu medizinischen Zwecken wendeten, hatten häufiger eine schlechte Gesundheit und konsumierten häufiger täglich.
Universität von Michigan, Ann Arbor, USA.
Lin LA, et al. Addict Behav 2016;61:99-103

Wissenschaft/Tier: Die Einnahme von Linolsäure beeinflusst das Endocannabinoidsystem
In einer Studie mit 16 Kühen reduzierte die Einnahme von Linolsäure die Zahl der CB2-Rezeptoren und reduzierte Enzyme, die für die Produktion von Endocannabinoiden verantwortlich sind.
Universität von Sari für Agrarwissenschaften und natürliche Ressourcen, Iran.
Abolghasemi A, et al. Theriogenology, 11. Mai 2016 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Sativex kann bei Cannabisabhängigkeit hilfreich sein
In einer Fallserie mit fünf Cannabisabhängigen half der Cannabisextrakt Sativex bei der Reduzierung der Entzugssymptome.
Campbell Family Mental Health, Forschungsinstitut, Toronto, Kanada.
Trigo JM, et al. J Addict Med, 3. Juni 2016 [im Druck]

Wissenschaft/Tier: Die Aktivierung des CB2-Rezeptors ist nervenschützend bei einer Blutung in die germinale Matrix
Forscher untersuchten die Mechanismen, die dem Nervenschutz durch CB2-Rezeptoren bei Blutungen in die germinale Matrix bei Ratten zugrunde liegt. Die germinale Matrix ist eine Region im sich entwickelnden Gehirn, in der Nervenzellen und Gliazellen produziert werden.
Dritte militärische medizinische Universität, Chongqing, China.
Tao Y, et al. Brain Behav Immun, 31. Mai 2016 [im Druck]

Wissenschaft/Tier: Die Aufnahme von CBD in das Gehirn wird nicht durch ABC-Transporter reduziert
So genannte ABC-Transporter reduzieren nicht die Aufnahme von Cannabidiol (CBD) in das Gehirn. Diese Transporter sind dafür bekannt, dass sie die Aufnahme mehrerer anderer Medikamente in das Gehirn reduzieren.
Universität von Sydney, Australien.
Brzozowska N, et al PeerJ, 26. Mai 2016;4:e2081.

Wissenschaft/Zellen: Die Mechanismen der entzündungshemmenden Wirkungen von CBD wurden untersucht
Mehrere Mechanismen der entzündungshemmenden Wirkungen von CBD wurden beschrieben, darunter eine Reduzierung der T-Helferzellen 17 (Th17), die entzündungsfördernde T-Helferzellen darstellen, die Interleukin-17 (IL-17) produzieren.
Sackler Fakultät für Medizin, Universität von Tel Aviv, Israel.
Kozela E, et al. J Neuroinflammation 2016;13(1):136.

Wissenschaft/Mensch: Nebenwirkungen synthetischer Cannabinoide sind stärker als die von Cannabis
In einer Gruppe von 70 Cannabiskonsumenten und 17 Personen, die synthetische Cannabinoide verwendet hatten, die in ein Krankenhaus eingeliefert wurden, verursachten Überdosierungen mit synthetischen Cannabinoiden signifikant stärkere unerwünschte Wirkungen auf das Nervensystem und das Herz.
The Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York, USA.
Zaurova M, et al. J Med Toxicol, 2. Juni 2016 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Cannabis und Alkohol können sowohl Substitute als auch komplementär sein
Eine Übersicht der Literatur zeigt, dass Alkohol und Cannabis sowohl Substitute als auch Komplementärsubstanzen sein können. Eine Politik, die sich auf eine Substanz bezieht, könnte daher den Konsum anderer Substanzen beeinflussen.
Alkoholforschungsgruppe, Emeryville, USA.
Subbaraman MS. Subst Use Misuse, 1. Juni 2016:1-16. [im Druck]

Wissenschaft/Tier: Das Endocannabinoidsystem ist an der Herzfrequenz beteiligt
Die Endocannabinoid-Signalgebung in einer bestimmten Hirnregion (dorsales periaquäduktales Grau) beeinflusst den Tonus des autonomen Nervensystems und die Herzfrequenz bei Ratten.
Medizinische Fakultät von Wisconsin, USA.
Dean C, et al. Am J Physiol Regul Integr Comp Physiol, 8. Juni 2016 [im Druck]

Wissenschaft/Tier: Das Endocannabinoid-System könnte nervenschützend bei der Alzheimer-Krankheit sein
Forschung mit Mäusen unterstützt die Hypothese, dass das Endocannabiniodsystem nervenschützend bei der Alzheimer-Krankheit sein könnte, und diese Wirkung hatte sich vor dem Beginn klarer klinischer kognitiver Symptome der Erkrankung eingestellt.
Medizinische Fakultät, Universität des Baskenlandes, Leioa, Spanien.
Manuel I, et al. Neuroscience 2016;329:284-293.

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