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IACM-Informationen vom 14. Mai 2016

Wissenschaft/Tier: Neue Funktion des CB2-Rezeptors im Gehirn entdeckt

Im Gehirn gibt es eine filigrane Wechselwirkung von Signalsubstanzen und Zellaktivität. Wissenschaftler des Forschungszentrums für Neurowissenschaften und des Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Berlin (Deutschland) haben nun einen weiteren Schlüsselspieler innerhalb dieses Ensembles entdeckt. In einer Laborstudie fanden sie heraus, dass der Cannabinoid-2-Rezeptor die Informationsverarbeitung innerhalb des Hippocampus, eine bestimmte Hirnregion, beeinflusst. Die Forschungsergebnisse könnten unser Verständnis der Schizophrenie und der Alzheimer-Erkrankung verbessern, erklären die Autoren.

„Bisher wurde der Rezeptor als Teil des Immunsystems ohne Funktion in Nervenzellen betrachtet. Allerdings zeigt unsere Studie, dass er auch eine wichtige Rolle bei der Signalverarbeitung im Gehirn spielt“, erklärt Professor Dietmar Schmitz, Sprecher des DZNE in Berlin und Direktor des Forschungszentrums für Neurowissenschaften der Charité. Wie die Forscher in einem Tiermodell zeigten, hebt der CB2-Rezeptor die Erregungsschwelle der Nervenzellen im Hippocampus an. „Die Gehirnaktivität ist bei Schizophrenie, Depressionen, Morbus Alzheimer und anderen neuropsychiatrischen Erkrankungen gestört. Pharmaka, die an den CB2-Rezeptor binden, könnten möglicherweise die Aktivität von Gehirnzellen beeinflussen und ein Teil der Therapie werden“, folgert Professor Schmitz.

Stempel AV, Stumpf A, Zhang HY, Özdoğan T, Pannasch U, Theis AK, Otte DM, Wojtalla A, Rácz I, Ponomarenko A, Xi ZX, Zimmer A, Schmitz D. Cannabinoid Type 2 Receptors Mediate a Cell Type-Specific Plasticity in the Hippocampus. Neuron, 28. April 2016 [Im Druck]

Science Daily vom 2. Mai 2016

Deutschland: Die Regierung will Cannabis auf Rezept verfügbar machen

Die deutsche Regierung beschloss am 4. April ein Gesetz zur Verbesserung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung mit Cannabis und Medikamenten auf Cannabisbasis. Es soll im März 2017 in Kraft treten. Getrocknete Cannabisblüten und Cannabisextrakte sollen in Apotheken durch eine Verschreibung verfügbar sein. Jeder Arzt soll ein solches Rezept ausstellen dürfen, und es gibt keine Beschränkungen hinsichtlich der Art der Erkrankung bzw. der Symptome, die mit Cannabis behandelt werden dürfen. Die gesetzlichen Krankenkassen werden nach dem Gesetzentwurf die Kosten übernehmen, wenn andere Behandlungsmöglichkeiten nicht ausreichend wirksam sind oder starke Nebenwirkungen verursachen.

Bisher konnten schwerkranke Patienten in Deutschland nur mit einer speziellen Erlaubnis einen Zugang zu Cannabis bekommen und mussten es selbst bezahlen. „Es ist unser Ziel, dass schwer kranke Menschen auf die möglichst beste Art und Weise behandelt werden“, erklärte Gesundheitsminister Hermann Gröhe in einer Stellungnahme. Die Regierung wird eine Cannabisagentur aufbauen, die den Anbau von Cannabis und den Import, der jetzt benötigt wird, überwachen soll.

Reuters vom 4. Mai 2016

Kurzmeldungen

Welt: Medical Cannabis Declaration fährt mit Kurs zu medizinischem Cannabis fort
Während des Crowdfundings fährt die Medical Cannabis Declaration mit ihrem Kurs zu Cannabis als Medizin fort, diesmal mit „Das Endocannabinoidsystem: Körpereigene Cannabinoide und Cannabinoidrezeptoren“: Medical Cannabis Declaration
Crowdfunding "Sag Ja zu Cannabis als Medizin"

Wissenschaft/Mensch: Die Legalisierung von Cannabis in Washington hatte keine Wirkung auf die Verfügbarkeit der Droge durch Heranwachsende
Eine Studie, die beim Kongress der Akademischen Pädiatrischen Gesellschaften des Jahres 2016 vorgestellt wurde, zeigte keine Veränderung des Anteils der Heranwachsenden, die es „leicht“ fanden, einen Zugang zu Cannabis zu bekommen, nachdem sein Freizeitkonsum für Erwachsene legalisiert worden war.
Science Daily vom 30. April 2016

USA: CBD-Öl mit niedrigen THC-Konzentrationen wurde in Alabama legalisiert
Der Gouverneur von Alabama, Robert Bentley, unterzeichnete am 4. April ein Gesetz, das CBD-Öl (Cannabidiol) in dem Staat legalisiert. Das neue Gesetz erlaubt bis zu 3 % THC in dem Öl.
Times Free Press vom 4. April 2016

USA: Die Drogenbehörde DEA überlegt, eine Umstufung von Cannabis vorzunehmen
Die Drug Enforcement Administration (DEA) überlegt, ob sie die Klassifikation für Marihuana (Cannabis) von der Kategorie I in die weniger restriktive Kategorie II umstufen soll. Dies würde viele Einschränkungen bei seiner Verwendung in der klinischen Forschung entfallen lassen.
UPI vom 10. Mai 2016

Großbritannien: Vorschlag für einen regulierten Cannabismarkt
Der umfassendste Vorschlag, wie der Cannabismarkt in Großbritannien reguliert werden könnte, wurde am 8. März 2016 von einer unabhängigen Gruppe von Experten, die durch die Liberaldemokraten eingesetzt wurde, veröffentlicht.
Framework for a regulated cannabis market

Kanada: Krankenhausapotheker haben ein begrenztes Wissen über medizinisches Cannabis
Nach einer Umfrage mit 769 Teilnehmern stimmten 55,2 % der kanadischen Krankenhausapotheker zu, dass Cannabis für medizinische Zwecke wirksam ist, und 17,2 % betrachteten sich selbst als über die Substanz gut informiert. 65 % gaben an, keine formale Fortbildung zu diesem Thema bekommen zu haben.
Mitchell F, et al. Can J Hosp Pharm 2016;69(2):122-130.

Wissenschaft/Tier: Die Hemmung der Cyclooxygenase-2, die den CB1-Rezeptor miteinbezieht, könnte Angst und Depressionen reduzieren
Jüngere Studien legen nahe, dass die Hemmung der Cyclooxygenase-2 (COX-2) einen neuen Behandlungsansatz für affektive Störungen wie Angststörungen und Depressionen darstellen könnte. Diese Wirkungen werden unter anderem durch die Aktivierung von CB1-Cannabinoidrezeptoren vermittelt.
Klinik für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften, Medizinische Fakultät der Vanderbilt-Universität, Nashville, USA.
Gamble-George JC, et al. Elife, 10. Mai 2016;5. [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Ein Cannabisspray ist nützlich bei der Spastik aufgrund einer multiplen Sklerose
Insgesamt 1615 Patienten mit multipler Sklerose, die den Cannabisspray Sativex gegen ihre Spastik erhielten, wurden in 30 italienischen Zentren rekrutiert. Nach einem Behandlungsmonat erzielten 70,5 % der Patienten eine Verbesserung von 20 % oder mehr und 28,2 % eine Verbesserung von 30 % oder mehr.
Institut für medizinische, chirurgische Wissenschaften und fortgeschrittene Technologie „GF Ingrassia“, Universität von Catania, Italien.
Patti F, et al. J Neurol Neurosurg Psychiatry, 9. Mai 2016 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Sativex war wirksam gegen die Spastik bei MS unabhängig von der Vorbehandlung
In einer Studie mit 219 Patienten mit multipler Sklerose führte der Cannabisspray Sativex zu einer konsistenten Linderung mit guter Verträglichkeit unabhängig von der antispastischen Vorbehandlung.
Klinik für Neurologie, Augusta-Krankenhaus Anholt, Isselburg-Anholt, Deutschland.
Haupts M, et al. EUR Neurol 2016;75(5-6):236-243.

Wissenschaft/Mensch: Cannabis war nicht wirksam bei Morbus Huntington
In einer doppelblinden Crossover-Studie erhielten 26 Patienten mit Morbus Huntington für die Dauer von 12 Wochen den Cannabisextrakt Sativex und weitere 12 Wochen lang ein Placebo. Es gab keine Unterschiede hinsichtlich motorischer, kognitiver, Verhaltens- und Funktions-Werte zwischen der Behandlung mit Sativex im Vergleich zum Placebo.
Neurologische Klinik, Krankenhaus Ramón y Cajal, Carretera de Colmenar, Madrid, Spanien.
López-Sendón Moreno JL, et al. J Neurol, 9. Mai 2016 [im Druck]

Wissenschaft/Tier: Die Aktivierung des CB1-Rezeptors könnte nützlich bei Morbus Parkinson sein
In einem Tiermodell der Parkinson-Krankheit mit Ratten fanden Wissenschaftler „eine entscheidende Rolle des CB1-Rezeptors bei der Behandlung der PD mit Simvastatin und implizieren CB1-Rezeptoren als einen möglichen therapeutischen Angriffspunkt bei der Behandlung der PD“.
Klinik für Neurologie, Drittes Krankenhaus der Sun-Sen-Universität, Guangzhou , China.
Mackovski N, et al. Life Sci, 4. Mai 2016 [im Druck]

Wissenschaft/Zellen: Cannabinoide beeinflussten die mechanischen und Wanderungseigenschaften von Gehirnkrebszellen
Drei verschiedene Glioblastom-Zelllinien (Hirnkrebs) wurden mit Cannabinoiden behandelt. Die Forscher fanden heraus, dass Cannabinoide in der Lage sind, die Migrations- und mechanischen Eigenschaften in einer zellspezifischen Art und Weise zu beeinflussen. Die Autoren schrieben, dass sie „zeigen konnten, dass eine „generalisierte Steifheit“ ein profunder Marker für die Invasionsfähigkeit einer Tumorzell-Population in unserem Modell ist und daher von großer klinischer Bedeutung für die Medikamententestung sein könnte. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass Cannabinoide ein Potenzial für therapeutische Herangehensweisen beim Glioblastom darstellen.“
Institut für Anatomie und Zellbiologie, Martin Luther Universität Halle-Wittenberg, Deutschland.
Hohmann T, et al. Cell Adh Migr, 5. Mai 2016:0. [Im Druck]

Wissenschaft/Tier: Untersuchung der Wirkmechanismen von CBD bei Schizophrenie
In einer Studie mit einem Rattenmodell der Schizophrenie demonstrierten Wissenschaftler einen neuen Mechanismus für die möglichen antipsychotischen Eigenschaften von CBD (Cannabidiol) im mesolimbischen Regelkreis. Sie schrieben: „Spezifisch berichten wir, dass CBD sowohl die verhaltensbezogenen als auch die dopaminergen Korrelate der mesolimbischen dopaminergen Sensibilisierung abschwächen kann.“
Renard J, et al. J Neurosci 2016;36(18):5160-9.

Wissenschaft/Tier: CBD reduziert die Katalepsie durch Haloperidol
Das antipsychotische Medikament Haloperidol kann motorische Nebenwirkungen verursachen. CBD (Cannabidiol) reduzierte die Katalepsie (Muskelsteifheit), die durch Haloperidol induziert wurde, und dies wurde durch die Aktivierung des 5-HT1A-Rezeptors vermittelt.
Medizinische Fakultät von Ribeirão Preto, Universität von São Paulo, Brasilien.
Sonego AB, et al. Behav Brain Res 2016;309:22-28.

Wissenschaft/Tier: Endocannabinoide reduzieren Juckreiz
Eine Zunahme der Endocannabinoid-Konzentrationen durch Hemmung der Fettsäureamidhydrolase (FAAH) und Monoacylgycerollipase (MAGL) reduzierte den Juckreiz bei Mäusen.
Institut für Pharmakologie, Medikamentenentdeckung und Forschungszentrum, Gulhane Akademie für Medizin, Ankara, Türkei.
Yesilyurt O, et al. Arch Dermatol Res, 28. April 2016 [Im Druck]

Wissenschaft/Tier: Endocannabinoide reduzieren Entzündungen, die durch Reizgifte verursacht werden
Reizgifte wie Senfgas verursachen Hautentzündungen, Ödeme und Blasenbildung. Eine Zunahme der Endocannabinoid-Spiegel durch Hemmung von FAAH (Fettsäureamidhydrolase) reduzierte diese Wirkungen bei Mäusen.
Ernest Mario School of Pharmacy, Rutgers-Universität, Piscataway, USA.
Wohlman IM, et al. Toxicol Appl Pharmacol, 25. April 2016 [Im Druck]

Blick in die Vergangenheit

Vor einem Jahr

Vor zwei Jahren

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