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IACM-Informationen vom 24. Juni 2006

Deutschland: Mehrheit befürwortet medizinische Verwendung von Cannabis

In der deutschen Bevölkerung gibt es eine breite Unterstützung für die Verwendung natürlicher Cannabisprodukte in der medizinischen Behandlung Schwerkranker. Auch die Kostenübernahme einer Behandlungen mit dem Cannabiswirkstoff Dronabinol durch die Krankenkassen befürwortet eine große Mehrheit. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach, die im Juni durchgeführt wurde. Am höchsten ist die Befürwortung der Verwendung von Cannabis in der Medizin in den gebildeten Schichten und bei Anhängern der kleineren Parteien FDP, Bündnis 90/Die Grünen und Linkspartei. Aber auch bei Befragten mit Hauptschulabschluss und bei Anhängern von CDU und CSU liegt diese über 70 Prozent.

Laut Ergebnis sprechen sich 77 Prozent der Deutschen dafür aus, eine Behandlung von Schwerkranken mit natürlichen Cannabisprodukten, wie Marihuana oder Haschisch, zuzulassen. Voraussetzung ist, dass der Arzt dies befürwortet, aber die Krankenkasse die Kosten für eine Behandlung mit dem Cannabiswirkstoff Dronabinol nicht übernimmt. Lediglich 11 Prozent würden dies verbieten. Ebenfalls 77 Prozent der Deutschen sprechen sich dafür aus, dass die Krankenkassen die Kosten für eine Behandlung mit dem Cannabiswirkstoff Dronabinol erstatten, wenn begründete Hinweise für die Wirksamkeit dieses Medikaments vorliegen. 7 Prozent waren dagegen.

In der repräsentativen Befragung wurden im Juni 1438 Bundesbürger ab 16 Jahren persönlich zu ihrer Kenntnis und Meinung zur medizinischen Verwendung von Cannabisprodukten interviewt. 69 Prozent der Befragten war die Verwendung von Cannabis oder künstlich hergestellten Produkten mit dem gleichen Wirkstoff zu medizinischen Zwecken bereits bekannt, während 31 Prozent davon erstmals im Interview erfuhren.

Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM), Neunkirchen-Seelscheid, die die Studie in Auftrag gegeben hatte, handelt es sich um die erste repräsentative Umfrage zu diesem Thema in einem Land der EURopäischen Union. Der Vorsitzende der ACM, Dr. med. Franjo Grotenhermen, zeigte sich über die Ergebnisse sehr erfreut, jedoch wenig überrascht: "Bei ähnlichen Umfragen wurde in den USA eine Zustimmung zwischen 60 und 70 Prozent, in Kanada von etwa 90 Prozent erzielt", so Grotenhermen. "Die Menschen können zwischen der medizinischen Verwendung von Cannabisprodukten und ihrem Konsum zu Rauschzwecken unterscheiden. Ich wünsche mir, dass die zuständigen Politiker angesichts der unbefriedigenden Gesetzeslage nachdenklich werden. Medizinische Cannabiskonsumenten sollten nicht länger in die Illegalität gedrängt werden."

Die Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach zu Cannabis in der Medizin kann als PDF-Datei aus dem Internet herunter geladen werden unter:
www.cannabis-med.org/german/allensbach.pdf

Wissenschaft: Führende Schmerzexperten zählen Cannabinoide zu den viel versprechenden Substanzen zur Behandlung neuropathischer Schmerzen

Cannabinoide stellen nach einer Elitegruppe von Schmerzspezialisten, die von MedPanel eingeladen worden waren, um die Herausforderungen und die Zukunft der Behandlung neuropathischer Schmerzen (Schmerzen durch eine Nervenverletzung) zu diskutieren, den bedeutendsten Ansatz zur Behandlung einer häufigen Schmerzform dar. Diese Erkrankung tritt häufig bei Patienten mit Diabetes, Krebs, HIV, Krankheiten des zentralen Nervensystems wie multiple Sklerose sowie nach bestimmten Operationen auf.

"Während des Gipfels baten wir die Gruppe, Daten hinsichtlich verschiedener neuer medikamentöser Behandlungsformen und Klassen von in der Forschung befindlicher Substanzen zu beurteilen, und als Schlussfolgerung des Treffens sagten sie uns, dass das Potenzial von Cannabinoiden für einen starken analgetischen Effekt, ihre breite Wirkung auf das zentrale Nervensystem, ihre reduzierten Nebenwirkungen und ihre Verwendung in Kombination mit verschiedenen anderen Behandlungsformen für sie interessanter sei als verschiedene andere Forschungsansätze," erklärte Matt Fearer von MedPanal. "Es scheint allerdings, dass ein ungünstiges soziopolitisches Klima die Genehmigung potentiell wertvoller Behandlungen für Millionen von Menschen, die an neuropathischen Schmerzen leiden, verzögern oder verhindern könnte," fügte er hinzu.

MedPanel, eine globale Organisation mit Sitz in Cambridge, USA, bietet eine Online-Forschungsplattform, die ihren Kunden strategische Richtungen für Investitionsentscheidungen, Produktentwicklung und Marketing bietet.

(Quelle: PRNewswire vom 21. Juni 2006)

USA: Multiple-Sklerose-Gesellschaft fördert Studie zu Cannabis und THC bei MS an der Universität von Kalifornien

Nachdem eine Studie zu gerauchtem Cannabis und oralem THC an der Universität von Kalifornien die Fördergelder verlor, sprang die MS-Gesellschaft der Vereinigten Staaten ein und fördert die Studie bis zu ihrem Abschluss. Dr. Mark Agius und seine Kollegen hatten für ihre Studie ein objektives System zur Messung der Muskelaktivität entwickelt. Das Zentrum für medizinische Cannabisforschung an der Universität von Kalifornien verlor die finanzielle Unterstützung, nachdem die Studie erst zur Hälfte abgeschlossen war.

Die Studie zum Einfluss von Cannabis und THC auf die Spastik bei MS ist Plazebo-kontrolliert und schließt drei Behandlungsarme von jeweils 20 Patienten ein: inhalierter Cannabis und orales Plazebo, inhaliertes Plazebo und orales THC sowie inhaliertes Plazebo und orales Plazebo. Die Studie soll im März 2008 abgeschlossen sein. Es handelt sich um die erste Studie dieser Art, die von der US-amerikanischen MS-Gesellschaft unterstützt wird.

(Quelle: www.nationalmssociety.org/)

Wissenschaft: Cannabiskonsum vergrößert nicht das Unfallrisiko

Nach einer großen Fall-Kontroll-Studie von Wissenschaftlern der Universität von Missouri in Columbia vergrößerte Cannabis nicht das Risiko für Verletzungen, die eine Krankenhausbehandlung erforderlich machten. Die Forscher untersuchten den Zusammenhang zwischen illegalem Drogenkonsum und Verletzungen bei Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 60 Jahren. Sie führten Interviews mit 2161 verletzten Personen, die in Krankenhausambulanzen behandelt worden waren, und 1856 Kontrollpersonen gleichen Alters und Geschlechtes durch.

Bei den Fällen hatten sich 27 Prozent bei einem Sturz verletzt, 19 Prozent waren von einem Objekt getroffen worden, 18 Prozent hatten einen Autounfall erlitten, und der Rest war durch verschiedene Mechanismen verletzt worden. "Selbst angegebener Marihuanakonsum in den vorausgegangenen sieben Tagen war in dieser Studie mit einem deutlich verminderten Risiko für eine Verletzung assoziiert," berichteten die Untersucher. Im Gegensatz dazu war der Konsum anderer illegaler Drogen und/oder kürzlich zurückliegender Alkoholkonsum (in den vorausgehenden sechs Stunden) "mit einem deutlich erhöhten Risiko für eine Verletzung" assoziiert.

(Quelle: Vinson D. Marijuana and other illicit drug use and the risk of injury: a case-control study. Missouri Medicine 2006;103(2).)

Kurzmeldungen

USA: Presbyterianische Kirche
Am 21. Juni unterstützte die Generalversammlung der presbyterianischen Kirche den legalen Zugang zu medizinischem Cannabis für Schwerkranke. Einstimmig wurde eine Resolution verabschiedet, die "auf eine Bundesgesetzgebung drängt, die seinen Konsum erlaubt, und die Produktion und Verteilung der Pflanze für diese Zwecke ermöglicht". (Quelle: Religion News Service vom 22. Juni 2006)

Wissenschaft: Hoher Blutdruck
Nach einem Artikel der Jerusalem Post hat die Arbeitsgruppe von Dr. Raphael Mechoulam, Professor an der hebräischen Universität, eine synthetische Version des Pflanzencannabinoids Cannabigerol geschaffen, die den Blutdruck in Tierexperimenten mit Ratten senkt. Es verursacht eine Entspannung der Blutgefäße und besitzt entzündungshemmende Eigenschaften. Yehoshua Maor, ein Student, der unter der Leitung von Prof. Mechoulam arbeitet, war einer der Gewinner des diesjährigen Kaye-Innovationspreises, der ihm am 13. Juni an der Universität für seine Arbeit zur kardiovaskulären Wirkung der Cannabinoide verliehen wurde. (Quellen: Jerusalem Post vom 13. Juni 2006, eMaxHealth.com vom 19. Juni 2006)

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