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ACM-Mitteilungen vom 10. März 2012

Presseschau: Haschischkonsum durchlöchert das Gedächtnis (Die Welt)

Ein Artikel der Tageszeitung Die Welt stellt eine tierexperimentelle Studie vor, die einen neuen Mechanismus bei der akuten Wirkung von Cannabisprodukten untersucht hat. Es ist bekannt, dass die akute Verwendung von THC in einer ausreichend hohen Dosis zur Vergesslichkeit führt, weil das sogenannte Arbeitsgedächtnis beeinträchtigt ist. Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass diese Wirkung durch eine Bindung von THC an Cannabinoid-1-Rezeptoren auf Nervenzellen des Gehirns zustande kommt. Jetzt hat ein internationales Forscherteam herausgefunden, dass die Aktivierung von CB1-Rezeptoren auf Astrozyten, Zellen mit Immun- und Stützfunktionen im Gehirn, dafür verantwortlich ist. Aber keine Sorge: Nach dem Cannabisrausch arbeitet das Arbeitsgedächtnis wieder normal. Die reißerische Überschrift des Artikels hat daher wenig mit dem Ergebnis der Forschung zu tun.

www.welt.de/gesundheit/article13897961/Haschischkonsum-durchloechert-das-Gedaechtnis.html
Haschischkonsum durchlöchert das Gedächtnis
Ina Hübener, 01. März 2012

Forscher haben erstmals die Nebenwirkungen von Cannabis entschlüsselt: Die Droge hilft zwar vielen Kranken – doch das Arbeitsgedächtnis leidet.
Cannabis ist nicht nur als Droge sehr begehrt, sondern wird auch seit Jahrtausenden als Medizin vielseitig geschätzt. Es lindert Schmerzen, bekämpft die Nebenwirkungen einer Chemotherapie bei Krebs und hat sich auch in der Therapie von Aids-Patienten bewehrt.
Zudem hemmen Medikamente auf Cannabisbasis oder künstlich erzeugte Cannabinoide unter anderem Spastiken bei Multiple-Sklerose-Patienten und regen den Appetit von Magersüchtigen an. Doch es gibt einen großen Nachteil. Der berauschende Cannabiswirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) beeinträchtigt das Arbeitsgedächtnis.
Das Arbeitsgedächtnis ist Teil unseres Erinnerungsvermögens. Es ist für die vorübergehende Speicherung und Verarbeitung von Informationen verantwortlich. Dank ihm können wir uns über einen begrenzten Zeitraum zum Beispiel Telefonnummern oder eine Einkaufsliste merken.
Und nach dem Einkauf suchen wir in der Regel nicht verzweifelt nach unserem Auto, sondern wissen noch, wo wir es geparkt haben. Sobald wir dieses Wissen nicht mehr brauchen, vergessen wir es und machen Platz für Neues.
Ein internationales Forscherteam hat jetzt entschlüsselt, wie sich Marihuana genau auf das Arbeitsgedächtnis auswirkt. Das Ergebnis ist ziemlich überraschend: THC, die psychoaktive Substanz in Marihuana, beeinträchtigt das Gedächtnis unabhängig von seiner direkten Wirkung auf die Neuronen. Die Nebenwirkungen entstehen tatsächlich durch den Einfluss der Droge auf jene Zellen, die bisher nur als Ernährer und Unterstützer der Neuronen bekannt waren – die Astrozyten.
„Wir haben jetzt den ersten Beweis erbracht, dass Astrozyten das Arbeitsgedächtnis direkt beeinflussen“, sagt Xia Zhang, Neurowissenschaftler an der kanadischen Universität Ottawa.
„Dass die unterstützenden Zellen in Wirklichkeit eine führende Rolle einnehmen, ist die größte Entdeckung unserer Forschung. Das ist einfach unglaublich“, freut sich Zhang. Ob die lange unterschätzten Astrozyten auch in anderen Bereichen des Gedächtnisses eine Rolle spielen, muss noch untersucht werden.
Doch wie sind die Wissenschaftler den Astrozyten auf die Schliche gekommen? Sie haben Ratten und Mäuse bei verschiedenen Aufgaben beobachtet: Nüchtern und auf Droge. Einer dieser Tests war das sogenannte Morris-Wasserlabyrinth. Bei diesem Versuch wurden die Nager in ein Becken mit trübem Wasser gesetzt und mussten eine unterhalb der Wasseroberfläche befindliche Plattform aufspüren.
Beim zweiten Anlauf fanden sie die Plattform schon viel schneller, weil sie sich in ihrem Arbeitsgedächtnis die räumliche Position gemerkt hatten. War den Tieren allerdings zuvor eine Dosis THC verabreicht worden, brauchten sie länger, um die Plattform wiederzufinden. Die Droge hatte ganz offensichtlich ihr Gedächtnis deutlich getrübt.
Nicht so bei Mäusen, denen ein spezieller Rezeptor namensCB1R auf der Zellmembran der Astrozyten fehlte. Sie waren gegen die negativen Effekte auf das Gedächtnis immun. Fehlte stattdessen der CB1R-Rezeptor auf den Neuronen, litten die Tiere immer noch unter den typischen Gedächtnisproblemen.
„Die Studie zeigt, dass einer der typischen Effekte des Marihuanarausches durch die Aktivierung des CB1R Rezeptors der Astrozyten verursacht wird“, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Cell“.
Da Neuronen einen anderen CB1R-Rezeptor besitzen als Astrozyten, könnte es eventuell einen Weg geben, die Rezeptoren auf den Neuronen zu aktivieren und gleichzeitig jene auf den Astrozyten auszuknipsen. Würde dies gelingen, könnte man die Vorteile der Cannabispflanze zur Linderung diverser Krankheiten nutzen, ohne dabei das Arbeitsgedächtnis zu beschädigen.
Das ist noch nicht alles. Die Erkenntnisse der Forscher könnten auch für Krankheiten wie Alzheimer von großer Bedeutung sein. Denn auch bei Alzheimer wird das Arbeitsgedächtnis Schritt für Schritt beschädigt. Betroffene verlegen ihre Schlüssel, finden nicht mehr nach Hause und wiederholen sich in Unterhaltungen.
Xia Zhangs Vision lautet deshalb: „Mein nächstes Ziel ist herauszufinden, ob die gleichen Mechanismen, durch die Marihuana das Arbeitsgedächtnis beeinträchtig auf die Alzheimerkrankheit übertragen werden können.“

Presseschau: Wundermittel Hanf: vom Rausch- zum Arzneimittel (gesund.co.at)

Eine österreichische Internetseite, die sich mit Gesundheitsthemen beschäftigt, berichtet über den Stand der Cannabisproduktion in Österreich für medizinische Zwecke. "Auch wenn der Anbau von Cannabis in Österreich seit der Novelle zum Suchtmittelgesetz im Jahr 2008 für medizinische und wissenschaftliche Zwecke grundsätzlich erlaubt ist, so erschweren zahlreiche Einschränkungen nach wie vor die Produktion", heißt es in dem Beitrag.

gesund.co.at/hanf-arzneimittel-wundermittel-24991/
Wundermittel Hanf: vom Rausch- zum Arzneimittel
10. März 2012

Dass Hanf nicht bloß als berauschender Bestandteil von Zigaretten dient, ist auch dem österreichischen Gesetzgeber nicht verborgen geblieben. Immer neue Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung zum erfolgreichen Einsatz von Hanfbestandteilen als Medikament bringen die Politik in Zugzwang. Die Wirksamkeit von Tetrahydrocannabinol (THC), also des Hauptwirkstoffes der Hanfpflanze, als effektives Schmerzmittel ist wissenschaftlich ebenso gesichert wie der erfolgreiche Einsatz von THC als Wirkstoff im Kampf gegen das Gilles De La Tourette-Syndrom. Außerdem gilt THC als hervorragendes Arzneimittel bei der Behandlung von Multipler Sklerose. Dennoch ist Hanf nach wie vor mit einem weithin negativen Image behaftet.
Hanf ist eine der ältesten und wertvollsten Nutzpflanzen der Menschheit. Doch trotz ihrer Vielseitigkeit – Hanf wird nicht nur als Nahrungs- und Heilmittel verwendet, sondern auch zur Herstellung von Textilien, Dämmmaterial und Seilen – geriet die Pflanze wegen ihrer berauschenden Inhaltsstoffe als Droge in Verruf. Mit seiner Verdammung als Rauschgift (Marihuana – hergestellt aus Blüten und Blättern, Haschisch aus dem Harz der Pflanze) wurde Hanf der Garaus gemacht, und so war er bereits nach dem zweiten Weltkrieg als Nutzpflanze so gut wie unbekannt.
Hanf als Nutzpflanze wiederentdeckt
Auf der Suche nach alternativen Wirkstoffen wurde Hanf Mitte der 1980er-Jahre wiederentdeckt, schon bald kam es zu einem regelrechten Hanf-Boom, der den Anwendungen der Nutzpflanze immensen Vortrieb einbrachte. Kein Wunder, da die Pflanze ausgesprochen anspruchslos ist und praktisch ohne Einsatz von Düngemittel oder Herbiziden auskommt.
Durch die hohe Schädlingsresistenz ist sie zudem die perfekte Pflanze für den biologischen Landbau. Außerdem produziert Hanf mehr Biomasse als jede andere heimische Nutzpflanze und wird in der Wirtschaft mittlerweile wegen seiner hohen Haltbarkeit, Umweltverträglichkeit und niedrigen Energiebilanz sehr geschätzt. Seit 1995 ist Hanf auch in Österreich wieder als Nutzpflanze zugelassen, vor allem im östlichen Waldviertel rund um die Ortschaft Reingers hat sich der Anbau von Industriehanf etabliert. Dabei handelt es sich um Sorten, bei denen der berauschende Inhaltsstoff THC durch Zucht weitgehend eliminiert wurde.
Vom Rausch- zum Arzneimittel
Während Nutzhanf mittlerweile ein fixer Bestandteil am Rohstoffmarkt ist, ist es um die Etablierung von Medizinalhanf noch schlecht bestellt, wie Vertreter der österreichischen Arbeitsgemeinschaft “Cannabis als Medizin” immer wieder beklagen. Auch wenn der Anbau von Cannabis in Österreich seit der Novelle zum Suchtmittelgesetz im Jahr 2008 für medizinische und wissenschaftliche Zwecke grundsätzlich erlaubt ist, so erschweren zahlreiche Einschränkungen nach wie vor die Produktion.
Diese ist deshalb auch still und heimlich angelaufen: Seit 2008 läuft die Cannabisherstellung über die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), die dem Gesundheitsministerium unterstellt ist. Seither werden in einer Halle im Norden Wiens auf insgesamt 1.200 Quadratmetern Cannabispflanzen zum Zwecke der Arzneimittelherstellung indoor aufgezogen. Der genaue Standort wird aus Sicherheitsgründen geheim gehalten, außerdem wird die Produktionsstätte streng überwacht, wie die AGES betont.
Durch neueste Erkenntnisse der Wissenschaft über die pharmakologischen Wirkungen von Cannabis, ist das Thema Hanf als Arzneimittel in jüngster Zeit stark in den Fokus der medizinischen Forschung gerückt. Trotzdem unterliegt Cannabis in Österreich einem generellen, dezidiert festgehaltenen Verschreibungsverbot und kann als Medikament nur aus dem Ausland bezogen werden. Eine einzige Ausnahme ermöglicht Cannabismedizin in Österreich, dann nämlich, wenn Tetrahydrocannabinol (THC), also der psychotrope wie therapeutische Hauptwirkstoff von Cannabis, synthetisch hergestellt wird. Synthetisches THC ist unter dem Namen Dronabinol am Markt, gilt nicht als Zubereitung aus Cannabis und ist daher verschreibungsfähig.
Cannabis-Freigabe für medizinische Zwecke?
Die Medizin hat längst die heilende Wirkung von Hanf erkannt, die Politik zögert dennoch mit der Zulassung als Medikament. Die Hanfpflanze enthält über 70 Cannabinoide, einige dieser Substanzen, wie etwa THC, beeinflussen das Bewusstsein, wirken aber auch schmerzstillend und appetitanregend. Wissenschaftler entdeckten, dass bestimmte isolierte Cannabinoide nachweisbare Effekte gegen einige Krankheiten haben. Dazu zählen in erster Linie die Substanzen THC, Cannabidiol (CBD), Cannabinol (CBN) und Cannabichromen (CBC).
Einige Inhaltsstoffe können z. B. entzündungshemmend wirken, andere haben sich in der Behandlung von Nebenwirkungen einer Chemotherapie (Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Depressionen und Ängste) bei Krebs gut bewährt. Auch für die Wirksamkeit gegen Abmagerung bei HIV/Aids sowie Spastik bei Multipler Sklerose und Querschnittserkrankungen liegen gesicherte Kenntnisse vor. Ebenfalls gut belegt ist der wirksame Einsatz von Cannabis bei Glaukom: Der Grüne Star entsteht durch zu hohen Augeninnendruck, Cannabis senkt diesen Druck, sowohl bei oral/inhalativer Aufnahme als auch durch lokales Einträufeln eines wässrigen Auszugs.
Die zunehmende Anzahl positiver Erkenntnisse und die hohen Kosten der synthetischen Herstellung von THC veranlassen mittlerweile immer mehr Länder, über die Zulassung von Cannabis als Arzneimittel, aber auch über einheitliche Zulassungsbestimmungen zu diskutieren.

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Erklärung

Erklärung der Menschenrechte für den medizinischen Zugang zu Cannabis und Cannabinoiden

Öffentliche Petition

Am 15. April 2014 hat Dr. Franjo Grotenhermen eine öffenltiche Petition zu Cannabis und Cannabinoiden als Medizin eingereicht.

Webseite zur Petition

Indica

A new article in Cannabinoids by Jacob Erkelens and Arno Hazekamp on Cannabis Indica.

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IACM-Konferenz 2013

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